Digitale Geographien: Geodaten - Code - Gesellschaft


Vernetzung von Forschung zur Raumwirksamkeit digitaler Prozesse in der deutschsprachigen Geographie.

Die so genannte „Digitalisierung der Gesellschaft“ stellt eine der zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit dar. Ein zentraler Wesenszug von Digitalisierung ist die zunehmende Herstellung, Speicherung und Verwendung von digitalen Daten. Etliche Facetten aus Gesellschaft und Umwelt werden auf verschiedenste Weisen gemessen und in abstrakten, maschinenlesbaren Formen in Datenbanken abgelegt, wodurch sie computergestützten, algorithmischen Verfahren der Auswertung zugänglich gemacht werden. Ein großer Teil dieser digitalen Daten ist mit geographischen Referenzen versehen (Geodaten). Die Produktion und Nutzung räumlich-verortbarer Daten hält dadurch in immer mehr gesellschaftliche Bereiche Einzug und verändert Raumaneignung und Raumverständnis. Die theoretische und methodische Beschäftigung mit georeferenzierten Massendaten (big spatial data) ist bisher vor allem in technisch-orientierten Disziplinen erfolgt. Brückenschläge aus den Gesellschafts- und Sozialwissenschaften beschränken sich meist weitgehend auf die Inwertsetzung neuer digitaler Methoden, etwa durch die Digital Humanities oder die Computational Social Sciences. Eine kritische sozialwissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Entstehungs-, Produktions- und Verwendungszusammenhängen von Daten und den damit verbundenen Technologien und Praktiken ist bislang nur in Ansätzen entwickelt. Hier setzt das Netzwerk an: Ziele sind 1) eine zumeist junge Generation von HumangeographInnen, GeoinformatikerInnen, KartographInnen und MedienwissenschaftlerInnen in einen kritischen Dialog zu bringen über die gesellschaftlichen Potenziale und Risiken dieser Geodaten; 2) eine gesellschaftstheoretische Perspektive auf die Daten und die damit verbundenen Praktiken und Technologien auszuarbeiten; 3) Methoden zu erörtern und anzuwenden, die einen angemessenen Umgang mit ihnen erlauben; 4) gesellschaftliche Implikationen der Verwendung von Geodaten auszuloten. Das Netzwerk möchte damit 5) Impulse zur Entwicklung und Institutionalisierung des Forschungsfeldes „digitaler Geographien“ in der deutschsprachigen Humangeographie setzen. Nicht zuletzt möchte das Netzwerk die internationale und interdisziplinäre Zusammenarbeit mit GeographInnen und VertreterInnen der relevanten Nachbardisziplinen ausbauen. Schließlich sollen die wissenschaftlichen Auseinandersetzungen im Netzwerk weitergehende Forschungsprojekte und -kooperationen in Themenfeldern wie der Digitalisierung, Datafication und Algorithmisierung der Gesellschaft anstoßen. Neben diesen allgemeineren Zielen wird ein Handbuch „digitale Geographien: Geodaten, Code, Gesellschaft“ als Sammelband durch die Teilnehmer*innen produziert. Zudem erfolgt die Organisation einer humangeographischen Sommerschule zur Thematik „Geographien des Digitalen“.

Projektleitung
Füller, Henning (Details) (Kultur- und Sozialgeographie)

Laufzeit
Projektstart: 05/2019
Projektende: 06/2021

Forschungsbereiche
Geographie

Zuletzt aktualisiert 2021-03-06 um 15:07