Rat und Räte der deutschen Könige von Rudolf von Habsburg bis Ludwig dem Bayern (1273-1347) III


Rat und Räte der ersten deutschen Könige in nachstaufischer Zeit, insbesondere unter Ludwigs dem Bayern (1314-1347), sollen nach einem detaillierten Schema von Kriterien untersucht werden. In einer ersten Arbeitsphase wurden in den vergangenen beiden Jahren bereits die Räte der Könige Rudolf von Habsburg bis Heinrich VII. von Luxemburg (+1313) erschlossen. Diese Personengruppe wird üblicherweise (aber eine noch nicht vorhandene Institutionalisierung suggerierend) mit dem Begriff Hofrat erfasst. Bisher sind in der deutschen Forschung Rat und Räte noch nicht systematisch in längerer Sequenz und mehrere Regierungen übergreifend dargestellt worden - im Gegensatz etwa zur französischen und englischen Mediävistik. Dies ist um so erstaunlicher, als es in der einschlägigen Forschung keinen Zweifel daran gibt, dass der spätmittelalterliche Hofrat das einzige Zentrum von Regierung und Verwaltung des Reichsoberhauptes (Moraw) darstellte, mit uneingeschränkter Kompetenz in außen- wie innenpolitischen, rechtlichen und finanziellen Angelegenheiten. Grundfragen der deutschen Geschichte, nämlich die Struktur königlicher Herrschaft sowie Fragen der Kontinuität und Kohärenz, sind besonders eindrücklich am Beispiel des Hofrates zu studieren. Fragen, die mit den Ergebnissen des Projekts beantwortet werden können: Welche Räte wurden mit welchen Aufgaben betraut, wie erwarben sie diese Kompetenzen, welche Zuständigkeiten erhielten sie über welche Dauer, welche Personen errangen längere Zeit einen besonders prominenten, prägenden Status? Diese Fragen führen in die zentrale Problematik, wo mit welchen Strategien der König regierte, wie mithin spätmittelalterliche Herrschaft überhaupt funktionierte. Da es vor ca. 1500 noch keine Institution Hofrat gab, kann die Bedeutung von Rat und Räten nur mit einem umfassend und systematisch angelegten personengeschichtlichen Ansatz erschlossen werden. Dafür wurde ein komparatistisch nutzbares Schema von 13 funktionalen Kriterien entwickelt und für die Räte bis Heinrich VII. bereits erprobt. Die Kriterien reichen von regionaler und ständischer Herkunft, Bildung, Herrschernähe vor Regierungsantritt, über einzelne Ratsmissionen, etwa an die Kurie oder zu anderen Herrschern, bei Schlichtungen, Kriegen, bis zum Anteil an der Reichsverwaltung und zur Teilnahme am Hofgericht. Die Bearbeitung des Projektes würde Vorarbeiten fortsetzen, die bereits weit gediehen sind. Ihr Abschluss ist in hohen Maße wünschbar und wird in der Bilanz ein hohes Desiderat der deutschen Mittelalterforschung in avancierter Methodik erfüllen.


Projektleitung
Helmrath, Johannes Prof. Dr. (Details) (Europäische Geschichte des Mittelalters Schwerpunkt Spätmittelalter)

Mittelgeber
DFG: Sachbeihilfe

Laufzeit
Projektstart: 07/2007
Projektende: 02/2010

Zuletzt aktualisiert 2022-22-11 um 04:05