Effiziente Kollaboration in RFID-gestützten Logistiknetzen


RFID-Technologie ist im Begriff, Wertschöpfungs- und Logistikprozesse in Produktion und Handel nachhaltig zu verändern. Um das Potential der Technologie voll auszuschöpfen, ist es notwendig, vom heutigen Stand zumeist unternehmensinterner, geschlossener Systeme zu Wertschöpfungsnetzen überzugehen, in denen firmenübergreifende Kooperationen die Regel sind. Derartige Kooperationen können durch die RFID-Technologie gefördert werden, müssen aber organisatorisch im Detail strukturiert und definiert werden. Insbesondere ist der optimale Grad an Transparenz zwischen Unternehmen zu bestimmen, d.h. der Einblick, den man Netzwerkpartnern in die eigenen Datenbestände gewährt. Dieser ist abhängig von herrschenden Vertrauens- und Kostenstrukturen. Daneben ist auch eine nach klar definierten Kriterien faire Aufteilung von Kosten, Nutzen und Risiken auf die beteiligten Partner entscheidend.
Dieser Hintergrund motiviert im Rahmen des Projektvorhabens erstens die Entwicklung von ökonomischen Modellen und spieltheoretischen Experimenten, die indizieren, wann es sich lohnt, wie und mit wem zu kooperieren. Des Weiteren bedarf es vertraglicher Vereinbarungen, die eine faire Kosten- und Nutzenverteilung bewirken, z.B. durch Risk-Sharing Modelle. Ferner soll die potentielle Rolle von IT- und Logistik-Dienstleistern als Treuhänder untersucht werden, die damit die Möglichkeit haben, sich durch RFID-Mehrwertdienste strategisch neu auszurichten.


Zweitens spielen informationstechnische Fragen eine wichtige Rolle, insbesondere zur Art der Datenhaltung, -bereitstellung und -sicherheit: In welchem Umfang sollen welche Daten auf dem Netzwerk oder auf dem Tag gespeichert werden? Welche Daten sollen wie aggregiert zur Verfügung gestellt werden? Wie sind Zugriffsrechte zu verwalten und Sicherheit sowie Datenschutz zu gewährleisten? Welche Formen des Data Mining sind möglich, ohne die Vertraulichkeit eingebrachter Datenbestände zu verletzen?


Parallel zu diesen Fragen sollen unternehmensübergreifende intelligente Logistik-applikationen realisiert werden, insbesondere im Bereich Event- und Performance Management.


Das vom BMWA im Rahmen des Programms "Next Generation Media" geförderte Projekt KO-RFID adressiert die genannten ökonomischen und technischen Grundlagen intelligenter Logistiknetze in enger Kooperation mit Unternehmen, die in Deutschland bereits erste RFID-basierte Logistiksysteme realisiert haben: SAP und IBM als IT-Hersteller und -Dienstleister, Tricon als Integrator sowie GERRY WEBER, Daimler Chrysler und mehrere Küchenhersteller als Anwender. Ausgehend von Analysen existierender Wertschöpfungsketten der Textil-, Automobil- und Küchenherstellerbranche sollen relevante technische Standards, Schnittstellen und Logistikapplikationen für RFID-basierte Wertschöpfungsnetze geschaffen werden. Des Weiteren sollen technische und organisatorische Kollaborationsszenarien bei unterschiedlichen Vertrauensintensitäten definiert werden. Ziel ist die Formulierung von einschlägigen Handlungsempfehlungen und Referenzmodellen.


Projektleitung
Günther, Oliver Prof. Ph. D. (Details) (Wirtschaftsinformatik)

Mittelgeber
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie

Laufzeit
Projektstart: 05/2006
Projektende: 09/2009

Publikationen
http://www.ko-rfid.de

Zuletzt aktualisiert 2022-07-09 um 23:07