Kontexte der Biowissenschaften. Zur sozio-kulturellen Wirksamkeit einer neuen Technologie


Analysiert wurden die aktuelle Debatte um Probleme der Bioethik in Deutschland und deren Schlüsselkategorien (Mensch, Würde) sowie die ihr unterlegten kulturanthropologischen Vor-annahmen und Implikationen. Dazu stützt sich die Studie auf Unterlagen der Enquete-Kommissionen des Deutschen Bundestages zu Problemen der Gentechnologie, Bundestagsde-batten sowie die humanwissenschaftliche Diskussion zum Thema. Im Vordergrund der Unter-suchung stehen die der bioethischen Debatten unterlegten Argumentationsmuster, welche einer Diskursanalyse unterzogen werden. Das Forschungsinteresse fokussiert auf das Verhältnis von Biowissenschaften und Kulturanthropologie.



Eingehend berücksichtigt wird die Differenz, die zwischen dem Menschen und dem Embryo kulturanthropologisch eine definitorische Lücke läßt, weshalb sich Frühstadien menschlicher Embryonalentwicklung kulturanthropologisch nicht eindeutig bestimmen lassen. Sie stellt das vorrangige Thema innerhalb des Disputs um die Legitimität biowissenschaftlicher Forschung und Praxis (z.B. im Bereich der Stammzellforschung und der Reproduktionstechnologien) dar. Von Bedeutung ist dabei der symbolische Status des zu Illustrationszwecken in den Medien oder zur Unterstreichung bestimmter Thesen verwendeten Bildmaterials. Kulturanthropolo-gisch ist die Frage der Darstellung des Menschen oder solcher Entitäten, die als Mensch gelten, von Bedeutung. Ein Schwerpunkt des Untersuchungsprojekts liegt daher darin, Aspekte der Bildwissenschaft für eine kulturwissenschaftliche Untersuchung der bioethischen Diskussion fruchtbar zu machen. Einen weiteren Schwerpunkt nimmt die Auseinandersetzung mit dem in den Rechtswissenschaften geführten Diskurs bzgl. der Biowissenschaften ein, der für die ge-sellschaftliche Diskussion als zentral zu werten ist, da er ethische, soziologische und philoso-phische Motive aufnimmt, um sie dem Bemühen um Institutionalisierungspraxen zuzuführen. Hier steht die Auswertung einschlägiger Urteile von Bundesgerichtshof und Bundesverfas-sungsgericht sowie der in rechtswissenschaftlichen Fachzeitschriften geführten Diskussion im Vordergrund. Auch hier finden sich immer wieder Fragen nach dem verhandelten Menschen-bild. Daneben dominiert in diesen Diskussionen die Frage der Reichweite einer Institution wie der Menschenwürde .



Die Analyse der bioethischen Debatte zeigt, daß auch die Bedeutung so bedeutsamer ethischer Kategorien wie der Menschenwürde gesellschaftlich diskursiv hergestellt wird und an be-stimmte bildliche und sprachliche Repräsentationsmuster gebunden ist. Im Zuge der Bioethik-debatte ist nun eine kulturanthropologische Verschiebung des Begriffs Mensch zu beobach-ten, wodurch gewährleistet werden soll, daß auch früheste Stadien der menschlichen Embryo-nalentwicklung unter den Schutz der Menschenwürdegarantie des Grundgesetzes fallen. Diese Entwicklung hat jedoch den Effekt, daß mit ihr die Grundprämissen einer kantischen Ethik zur Disposition gestellt werden, die anthropologisch auf solche frühembryonalen Lebensformen nur sehr bedingt zugreifen.

Analysiert wurden die aktuelle Debatte um Probleme der Bioethik in Deutschland und deren Schlüsselkategorien (Mensch, Würde) sowie die ihr unterlegten kulturanthropologischen Vor-annahmen und Implikationen. Dazu stützt sich die Studie auf Unterlagen der Enquete-Kommissionen des Deutschen Bundestages zu Problemen der Gentechnologie, Bundestagsde-batten sowie die humanwissenschaftliche Diskussion zum Thema. Im Vordergrund der Unter-suchung stehen die der bioethischen Debatten unterlegten Argumentationsmuster, welche einer Diskursanalyse unterzogen werden. Das Forschungsinteresse fokussiert auf das Verhältnis von Biowissenschaften und Kulturanthropologie.



Eingehend berücksichtigt wird die Differenz, die zwischen dem Menschen und dem Embryo kulturanthropologisch eine definitorische Lücke läßt, weshalb sich Frühstadien menschlicher Embryonalentwicklung kulturanthropologisch nicht eindeutig bestimmen lassen. Sie stellt das vorrangige Thema innerhalb des Disputs um die Legitimität biowissenschaftlicher Forschung und Praxis (z.B. im Bereich der Stammzellforschung und der Reproduktionstechnologien) dar. Von Bedeutung ist dabei der symbolische Status des zu Illustrationszwecken in den Medien oder zur Unterstreichung bestimmter Thesen verwendeten Bildmaterials. Kulturanthropolo-gisch ist die Frage der Darstellung des Menschen oder solcher Entitäten, die als Mensch gelten, von Bedeutung. Ein Schwerpunkt des Untersuchungsprojekts liegt daher darin, Aspekte der Bildwissenschaft für eine kulturwissenschaftliche Untersuchung der bioethischen Diskussion fruchtbar zu machen. Einen weiteren Schwerpunkt nimmt die Auseinandersetzung mit dem in den Rechtswissenschaften geführten Diskurs bzgl. der Biowissenschaften ein, der für die ge-sellschaftliche Diskussion als zentral zu werten ist, da er ethische, soziologische und philoso-phische Motive aufnimmt, um sie dem Bemühen um Institutionalisierungspraxen zuzuführen. Hier steht die Auswertung einschlägiger Urteile von Bundesgerichtshof und Bundesverfas-sungsgericht sowie der in rechtswissenschaftlichen Fachzeitschriften geführten Diskussion im Vordergrund. Auch hier finden sich immer wieder Fragen nach dem verhandelten Menschen-bild. Daneben dominiert in diesen Diskussionen die Frage der Reichweite einer Institution wie der Menschenwürde .



Die Analyse der bioethischen Debatte zeigt, daß auch die Bedeutung so bedeutsamer ethischer Kategorien wie der Menschenwürde gesellschaftlich diskursiv hergestellt wird und an be-stimmte bildliche und sprachliche Repräsentationsmuster gebunden ist. Im Zuge der Bioethik-debatte ist nun eine kulturanthropologische Verschiebung des Begriffs Mensch zu beobach-ten, wodurch gewährleistet werden soll, daß auch früheste Stadien der menschlichen Embryo-nalentwicklung unter den Schutz der Menschenwürdegarantie des Grundgesetzes fallen. Diese Entwicklung hat jedoch den Effekt, daß mit ihr die Grundprämissen einer kantischen Ethik zur Disposition gestellt werden, die anthropologisch auf solche frühembryonalen Lebensformen nur sehr bedingt zugreifen.

Projektleitung
Ahrens, Jörn PD Dr. (Details) (Kulturtheorie)

Laufzeit
Projektstart: 08/2003
Projektende: 07/2005

Forschungsfelder
Bioethics, Bioethik, Bio Science, Biowissenschaften, Cultural Anthropology, Cultural Studies, Human Dignity, Image of Man, Kulturanthropologie, Kulturwissenschaft, Menschenbild, Menschenwürde

Publikationen
- Abwesenheitsgesten. Neue Probleme einer Bestimmung des Menschen , in: Michael Cuntz/Barbara Nitsche/Isabell Otto/Marc Spaniol (Hg.): Die Listen der Evidenz, Dumont Verlag, Köln 2006 (In Vorbereitung)

- Bilder und Menschen. Zur Problematik des Vergleichs einer Spezies mit sich selbst, in: Helga Lutz/Frieder Mißfelder/Tilo Renz (Hg.): Äpfel und Birnen. Illegitimes Vergleichen in den Kulturwissenschaften, Reimer Verlag, Berlin 2006 (In Vorbereitung)

- Mensch oder Embryo? Die gesellschaftliche Unbestimmtheit frühembryonaler Lebensfor-men, in: Handlung Kultur Interpretation. Zeitschrift für Sozial- und Kulturwissenschaften, Heft 1/2005

- Schon wieder Übermenschen? Körper und Körperüberwindung im Transhumanismus, in: Paula Diehl/Gunter Gebauer (Hg.): Verkörperung Entkörperung. Körperbilder und Kör-perpraxen im Nationalsozialismus, München 2005 (In Vorbereitung)

- Die Metapher der Keimzelle. Zur Analogie von sozialer und organischer Organisation, in: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, Heft 2/2005 (In Vorbereitung)

- Wo bleibt der Mensch? Das Lebensschutzargument in der bioethischen Debatte, in: Sigrid Graumann/Katrin Grüber (Hg.): Anerkennung, Ethik und Behinderung, Beiträge aus dem Institut Mensch, Ethik und Wissenschaft, LIT Verlag, Münster 2005

- A Question of Species. Astonishment at the Beginning of the Human Being, in: Law & Critique. Journal for Critical and Postmodernist Legal Studies, Vol. 1/2004

- Die Genetik des Geistes. Über einen Widerstreit zwischen Natur- und Humanwissenschaf-ten, in: Klaus Scherpe/Thomas Weitin (Hg.): Eskalationen. Die Gewalt von Kultur, Recht und Politik, Göttingen 2003, Francke

- Der Ruf aus der Wildnis. Zivilisation und Ritual, in: Paragrana. Internationale Zeitschrift für Historische Anthropologie, Bd. 12 (2003) (1-2)

- Der Tod als Rechtsnorm? Zum Konflikt um die Sterbehilfe, in: Christoph Wulf/Ludger Schwarte (Hg.): Körper und Recht. Anthropologische Dimensionen der Rechtsphilosophie, München 2003, Wilhelm Fink Verlag

- Die Ironie und das Lebendige: Konsequenzen eines Fortpflanzungsmedizingesetzes, in: Thorsten Bonacker/André Brodocz/Thomas Noetzel (Hg.): Die Ironie der Politik. Über die Konstruktion politischer Wirklichkeiten, Frankfurt/M./New York 2003, Campus Verlag

- Rezension: Michel Foucault: Geschichte der Gouvernementalität. Vorlesungen am Collège de France 1977/78. 2 Bd.e. Hg.v. Michel Sennelart. Frankfurt/M. 2004. In: Vorgänge. Zeit-schrift für Bürgerrechte und Gesellschaftspolitik, Heft 2/2005

- Rezension: Gesa Lindemann: Die Grenzen des Sozialen. Zur sozio-technischen Konstrukti-on von Leben und Tod in der Intensivmedizin. München 2002. In: Ästhetik und Kommuni-kation, Heft 121, Sommer 2003

- Lexikonartikel: Biopolitik. In: Bettina von Jagow, Florian Steger (Hg.): Literatur und Medi-zin im europäischen Kontext. Ein Lexikon, Göttingen 2005, Verlag Vandenhoeck & Rup-recht

- Lexikonartikel: Bioethik. In: Bettina von Jagow, Florian Steger (Hg.): Literatur und Medi-zin im europäischen Kontext. Ein Lexikon, Göttingen 2005, Verlag Vandenhoeck & Rup-recht

- Lexikonartikel: Menschenbild. In: Achim Trebeß (Hg.): Metzler Lexikon Ästhetik, Stuttgart 2005, Metzler Verlag (In Vorbereitung)

Zuletzt aktualisiert 2022-08-09 um 01:09