Geschichte der römischen Kaiser von Augustus bis Commodus


Römische Kaisergeschichten zeichneten sich traditionell durch personalistische Reduktion und unklare Bezugnahmen auf die tendenziösen literarischen Quellen aus und wurden nur selten Gegenstand seriöser Darstellungen auf der Höhe der Forschung. Das Projekt geht demgegenüber davon aus, dass eine Rekonstruktion der Handlungsbedingungen der Kaiser des Umwegs über eine Analyse der politischen, sozialen und kommunikativen Strukturen der Bedingungen im kaiserzeitlichen Rom bedarf und dass diese Strukturanalyse komplexer als üblich anzulegen ist: Grundlegende Paradoxien in allen drei Hinsichten prägten die aristokratischen Handlungsbedingungen. Die posthume Bewertung in den literarischen Quellen (und teilweise auch in modernen Darstellungen) als gute oder schlechte Kaiser hing nicht primär von der Sachpolitik oder der Stringenz des Herrschaftsausbaus des jeweiligen Kaisers gegenüber Senat und Aristokratie ab. Entscheidend für Harmonie oder Konflikt, für Erfolg oder Scheitern des jeweiligen Prinzipats war vielmehr die Fähigkeit der Kaiser (und indirekt auch der Senatsaristokratie), die paradoxen Handlungsbedingungen kommunikativ zu bewältigen. So lässt sich zeigen, dass die Verhaltensstrategien der einzelnen Kaiser in allen drei Hinsichten ein weitgehend konsistentes Profil aufweisen. Entsprechende Analysen ermöglichen somit individuelle Charakterisierungen jenseits personalistischer Spekulation. Das Projekt wurde 2006/2007 vom Historischen Kolleg München gefördert.


Projektleitung
Winterling, Aloys Prof. Dr. (Details) (Alte Geschichte II)

Laufzeit
Projektstart: 10/2006
Projektende: 10/2011

Publikationen
Aloys Winterling, Cäsarenwahnsinn im Alten Rom, in: Jahrbuch des Historischen Kollegs 2007, München 2008, 115 139; ders., Politics and Society in Imperial Rome, Oxford et al. 2009

Zuletzt aktualisiert 2020-11-03 um 23:11