Sexuelle Moderne und Wahn. Die Figur der ver-rückten Frau in der urbanen Bohème 1890-1933. Teilprojekt der Forschergruppe Kulturen des Wahnsinns, FOR 1120


Das Projekt untersucht die Schnittstelle zwischen der Entdeckung der Sexualität als wissenschaftliches und soziales Feld und einer zeitspezifischen Psycho-Pathologisierung von Weiblichkeit. Im hegemonialen Diskurs um die Moderne wird Weiblichkeit in Motivzuspitzungen wie Krankheit, Dämonisierung (Fin de Siècle), Prostitution (Expressionismus/DaDa) und Amoralität (Neue Sachlichkeit) allegorisiert und sexualisiert. Den umfänglichen Forschungen zur strukturellen Misogynie der Epochenselbstwahrnehmung soll damit eine Untersuchung sozialer und textueller Praktiken von Akteurinnen gegenübergestellt werden, die solche Anrufungen unterläuft. Ausgangspunkt ist die These, dass eine bislang nicht als diskursive Formation wahrgenommene weibliche Sexuelle Moderne von radikalen Feministinnen, Sexualreformerinnen, Autorinnen und Künstlerinnen mit einer Neuen sexuellen Ethik experimentiert und deshalb vielfach für verrückt erklärt wird. Dieser im Schwellenraum einer urbanen Bohème performativ ausagierte Wahn-Sinn soll als Normkritik gelesen werden und danach gefragt werden, wie diese Wahnsinnsetikettierung ironisch besetzt, resignifiziert und dissidentisch produktiv gemacht wurden.


Projektleitung
Binder, Beate Prof. Dr. (Details) (Geschlechterstudien und Europäische Ethnologie)

Laufzeit
Projektstart: 02/2009
Projektende: 12/2013

Zuletzt aktualisiert 2020-14-03 um 23:18