Rekonstruktion vergessener erziehungstheoretischer, bildungstheoretischer und bildungspolitischer Theoriekontroversen in der SBZ und DDR


Das Forschungsvorhaben leistet einen Beitrag zur Überwindung des Klisches, daß die Erziehungswissenschaft in der DDR nichts anderes als eine Summe politischer Ideologie und positivistischer Technologie gewesen sei.Eines seiner überraschenden Ergebnisse besteht darin, daß die Pädagogik in der SBZ und DDR im Zeitraum von 1946 bis 1961 die in Deutschland schon vor 1933 entwickelten Ansätze erziehungswissenschaftlicher und bildungstheoretischer Theoriediskussion wirksam geblieben waren sowie an Ansätzen einer sozialwissenschaftlichen Pädagogik gearbeitet wurde, während die Ausarbeitung einer theoretisch identifizierbaren marxistisch-leninistischen Erziehungswissenschaft bis zum sogenannten Revisionismusstreit der späten fünfziger Jahre über das Stadium einer Simulation nicht hinausgelangte.Insbesondere wurden jedoch vergessene Theoriekontroversen rekonstruiert, die in den verschiedensten Bereichen der Theorieentwicklung und Forschung der Pädagogik in der DDR ausgetragen wurden.Dazu gehören die theoretisch unterschiedlichen Auslegungen des 1946 verabschiedeten Gesetzes zur Demokratisierung der deutschen Schule, die bildungstheoretisch diskutierten Differenzen zum Erziehungsprogramm 1947 sowie die kontrovers geführte Auseinandersetzung zwischen den Vertretern einer harmonischen und antnomischen Menschenbildung in den fünziger Jahren als auch die Diskussion zu den Besonderheiten des pädagogischen Experimentes und der Methodologie des experimentellen Forschens. Die intensiv geführte Methodologiediskussion kann als Positivismusstreit in der Erziehungswissenschaft der DDR interpretiert werden.


Principal Investigators
Benner, Dietrich Prof. em. Dr. Dr. h. c. mult. (Details) (Philosophy of Education)

Duration of Project
Start date: 01/1996
End date: 12/1998

Publications
Benner, D.: Über die Aufgaben der Pädagogik nach dem Ende der DDR. Antrittsvorlesung am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. In: Zeitschrift für Pädagogik 39(1993), S. 891-906.

Benner, D.: Kritik am Bildungswesen durch pädagogische Kritik der Gesellschaft ergänzen.In Ost und West ist heute über Politikberatung neu nachzudenken. In: Deutsche Lehrerzeitung (40) 18/93. 2. Maiausgabe, S.10.

Benner, D./Sladek, H.:Das Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schule und die unterschiedliche Auslegung seiner harmonistischen Annahmen zum Verhältnis von Begabung und Bestimmung in den Jahren 1947/47. In: Krüger, H.-H./Marotzki, W. (Hrsg.): Pädagogik und Erziehungsalltag in der DDR. Opladen 1994, S. 37-54.

Benner, D./Sladek, H.: Das Erziehungsprogramm von 1947, seine kontroverse Diskussion und das allmähliche Entstehen der Staatspädagogik in der SBZ/DDR. In Zeitschrift für Pädagogik 41(1995), S. 63-79.

Benner, D./Sladek, H.: Ist Staatspädagogik möglich? In: Vierteljahrschrift für wissenschaftliche Pädagogik 72(1996), S. 2-15.

Benner, D./Sladek, H.: Vergessene Theoriekontroversen in der Pädagogik der SBZ und DDR. 1946-1961. Weinheim 1998.

Benner, D./Sladek, H.: Vergessene Theoriekontroversen in der Pädagogik der SBZ und DDR .1946-1961. Monographie mit Quellenteil.

Sladek, H.: Harmonische Menschenbildung in der DDR. Ein Beitag zur bleibenden Bedeutung von Hans Herbert Beckers Verhältnisbestimmung von allgemeiner und beruflicher Bildung. In.: Pädagogische Rundschau 49(1995), S. 79-85.

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