Das Zusammenspiel von kollektiven Erinnerungen, Erzählungen, Emotionen und Einstellungen in ethnopolitischen Konflikten Südkaukasiens


Das "Geschichtenerzählen" ist in der Konfliktlösung nur selten ein Gegenstand sozialpsychologischer Studien. Erst vor kurzem begannen Forscher, die sich mit der Konfliktlösung beschäftigten, die Rolle von Narrativen für das Lösen von Konflikten zu studieren und begründeten dadurch den narrativen Ansatz in interehtnischen Konflikten (Winslade und Monk 2000). Innerhalb der Erzählrahmen werden Konflikte in einigen wesentlichen Punkten als konkurrierende Geschichten (Cobb, 204) betrachtet. Wie schon durch zahlreiche Fälle belegt, streben die jeweiligen Konfliktparteien eine Legitimierung ihrer Ansprüche durch die Schaffung und Verbreitung ihrer eignenen Version ("was geschah wirklich") an. Unterdessen sollen die Ansprüche und Erzählungen der Gegner delegitimiert werden. In diesem Zusammenhang glauben Anhänger des narrativen Ansatzes, dass für eine effektive Konfliktlösung die konkurrierenden Narrative Transformationsprozesse durchlaufen sollen, um somit zu einer "gemeinsamen Erzählung" (Cobb, 19939 zusammenzukommen. Die grundlegende Annahme ist, dass eine gemeinsame Erzählung den Parteien helfen würde, eine einheitliche Vision der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu schaffen, welche als Grundlage für einen gemeinsamen Frieden (Steiner-Khamsi, 1994) dienen kann. Allerdings erweist sich die Schaffung einer gemeinsamen Narration als eine schwierige Aufgabe, vor allem wenn interethnische Konflikte betrifft. Eines der Haupthindernisse ergibt sich aus der Tatsache, dass in Zeiten von Kriegen und Konflikten Gesellschaften ihre eigenen Narrativen entwickeln, die aus ihrer Sicht zu den einzig wahren Erzählungen werden. Diese Erzählungen dienen in der Regel der Verunglimpfung und Leugnung der jeweils anderen Seite (Adwan & Bar-On, 2004; Ban-On & Kassem, 2004; Ron und Maoz, 2013). In Bezug auf "Geschichtenerzählen" in heilen Konflikten sind mindestens zwei Gesichtspunkte erwähnenwert, die das Erzählen hemmen können. Der erste kann "narrative Einbettung in die Identität" (Hammack, 2008) genannt werden. So argumentieren einige Wissenschaftler, dass nationale Identität in einen Bestand von Geschichten eingebettet sind. In diesem Zusammenhang sollten gewünschte Narrative Transformationen unumgänglich von Mustern der Identität abgegrenzt werden,die wiederum auf einem größeren Bestand an Geschichten basieren. Ein weiterer Aspekt kann "narrative Wahrheit" genannt werden. Wertsch (2013) unterscheidet zwischen propositionaler Wahrheit und narrativer Wahrheit. Propositionale Wahrheit bezieht sich eher auf historische Fakten (Daten, Handlungen einzelner historischer Persönlichkeiten, usw.), welche gegebenenfalls leicht verifiziert werden können, während hingegen die narrative Wahrheit mit den Motiven der Persönlichkeiten und den Bedeutungen der historischen Ereignisse verbunden ist. Narrarive Wahrheit wird durch die Art und Weise, wie Ereignisse in eine kohärente Geschichte eingesponnen (Wertsch, 2013) werden, aufrecht erhalten. In dieser Perspektive können Konfliktparteien fast gegensätzliche Darstellung des gleichen histrorischen Ereignisses haben.


Principal Investigators
Auch, Eva-Maria Prof. Dr. (Details) (History of Azerbaijan)

Duration of Project
Start date: 09/2014
End date: 12/2014

Last updated on 2020-15-03 at 23:10