Populismus zwischen Faschismus und Demokratie


Populismus ist ein unscharfer Begriff. Oft wird er als ein Passepartout verwendet, um unterschiedliche Phänomene zu beschreiben. Das Problem liegt nicht nur in der Theoretisierung, sondern auch in der Natur des Populismus. Denn der Populismus verändert sich in den unterschiedlichen sozio-kulturellen Situationen und vermengt sich mit anderen politischen Phänomenen wie Faschismus, Autoritarismus, Kommunitarismus, Neo-Liberalismus und mit der Demokratie. Für manche Autoren wie Ernesto Laclau ist der Populismus eine Art Beginn der Politisierung. Der Populismus ist somit der Demokratie inhärent und steht ihr zugleich ambivalent gegenüber.

Im Fall des Faschismus sind die Gemeinsamkeiten mit dem Populismus auffällig: beide entstehen in Krisensituationen, richten sich gegen die etablierten Eliten, versprechen einen Ausweg aus der mangelnden politischen Repräsentation des Volkes und stützen sich auf die Figur eines charismatischen Führers. Im Zentrum steht die Beziehung zwischen Führer und Volk und die Mobilisierung der Masse. Faschismus und Populismus sind stark miteinander verwoben ohne identisch zu sein. Während der Faschismus populistische Elemente trägt, kann der Populismus faschistische Züge integrieren, wie es beim Rechtspopulismus der Fall ist. Je nach Theorie kann der Faschismus als eine bestimmte Entwicklung des Populismus oder als ein scharf davon abgegrenztes Phänomen definiert werden. Ihre Beziehungen, Gemeinsamkeiten und Unterscheidungen sind daher sowohl auf der theoretischen als auch auf der empirischen Ebene schwer zu benennen. Wie populistisch ist eigentlich der Faschismus? Welche soziopolitischen Merkmale kennzeichnen beide und durch welche unterscheiden sie sich? Schließlich, welche diskursiven, visuellen und symbolischen Elemente können als faschistisch bzw. populistisch bezeichnet werden?

Das vorliegende Projekt widmet sich der Konturierung des Populismus, seinen Ähnlichkeiten, Verwobenheiten aber auch seinen Unterschieden zum Faschismus. Dafür sollen erstens die sozialen Strukturen, Bilder und Diskurse des Populismus analysiert, zweitens sein Verhältnis zur Demokratie geklärt und drittens diejenigen Stellen aufgedeckt werden, in denen die Vermengungen und Unterschiede beider Phänomene sowie die Transformationen von Faschismus in Populismus und vice-versa stattfinden. Damit zielt das Projekt auf die Präzisierung des Populismus-Begriffs und auf die Klärung seiner Verhältnisse zum Faschismus und zur Demokratie.

Principal Investigators
Diehl, Paula PD Dr. (Details) (Political Theory)

Duration of Project
Start date: 02/2011
End date: 11/2011

Last updated on 2020-16-03 at 23:08