"Getreidehandel, Bankgeschäft und die Formierung des deutsch-jüdischen Wirtschaftsbürgertums in Berlin (1850-1933)"


Das Projekt untersucht den wirtschaftlichen Aufstieg der Berliner Getreidehändler und ihre Integration in das Wirtschaftsbürgertum zwischen 1850 und 1933. Die meist in den 1850er und 1860er Jahren aus Posen und Schlesien eingewanderten jüdischen Getreidehändler waren häufig bereits ein halbes Jahrhundert später als Bankiers an der Berliner Börse und im Großhandel tätig. Ihre Brückenstellung zwischen Land und Stadt, zwischen Klein- und Großbürgertum und zwischen herkömmlichem Güterhandel und neuen Formen des Börsengeschäfts macht die in diesem Kontext entstehenden Getreidebanken zu einem vielversprechenden Untersuchungsgegenstand. Einerseits ist eine Analyse der Tätigkeit kleiner und kleinster Bankfirmen wesentlich für das Verständnis der Marktprozesse im Produkten- und Börsenhandel. Andererseits ermöglicht die Gruppe der Getreidehändler einen neuen Zugang zum jüdischen Wirtschaftsbürgertum und dem Prozess seiner Formierung. Das Vorhaben erweitert somit den wirtschaftshistorischen Blick auf kleinere und mittlere, insbesondere jüdische Unternehmen und ihre ökonomische und soziokulturelle Bedeutung. Als Quellengrundlage stehen neben zeitgenössischer Fachliteratur verschiedene Archivbestände zur Verfügung, die u.a. eine prosopographische Analyse der Unternehmensinhaber und ihrer Familien ermöglichen. Ziel des Projekts ist es, den engen Bezug von sozialem und ökonomischem Handeln systematisch herauszuarbeiten. Hierfür sollen die ökonomischen Institutionen, die Entwicklung einzelner Unternehmen und die soziale Integration der Unternehmer in ihrem Wechselspiel betrachtet werden


Projektleitung
Nützenadel, Alexander Prof. Dr. (Details) (Sozial- und Wirtschaftsgeschichte)

Laufzeit
Projektstart: 10/2011
Projektende: 12/2020

Zuletzt aktualisiert 2020-17-03 um 23:14