Wohnen als Global Urban Common. Strategien und Netzwerke zur transnationalen Mobilisierung alternativer Wohnungspolitiken


Als Reaktion auf die zunehmende Verknappung bezahlbaren Wohnraums formieren sich seit einigen Jahren zahlreiche Protestbewegungen und Netzwerke alternativer Wohnformen. Die Ideen dieser Wohnungsbewegungen zirkulieren global, sie beeinflussen sich gegenseitig und greifen im Sinne von Global Urban Commons temporär oder längerfristig in wohnungspolitische Entscheidungen ein. Allerdings wird in der Forschung bisher nur begrenzt den Hinweisen auf eine stärkere überlokale und multiskalare Vernetzung von urbanen sozialen Bewegungen im Allgemeinen und Wohnungsbewegungen im Besonderen nachgegangen. An dieser Stelle eröffnet sich eine interessante Forschungslücke hinsichtlich der lokalen und gleichzeitig transnationalen Vernetzung und Mobilisierung von Praktiken und AkteurInnen im Kontext sogenannter Housing Commons. Um dieser Forschungslücke auf den Grund zu gehen, sollen in dem geplanten Projekt die AkteurInnen, Hintergründe, Funktionsweisen und Effekte global zirkulierender alternativer Ansätze zu Wohnen und damit verbundene multiskalare Netzwerke analysiert werden. Wohnen wird dabei konzeptuell als eine Form von Urban Common unter Verwendung des mobile policies-Ansatzes und netzwerktheoretischer Argumente diskutiert. Empirisch konzentriert sich das Vorhaben auf multiskalare Housing Commoning-Strategien anhand von vier europäischen Beispielen: Zum einen werden dekommodifizierte selbstverwaltete Wohnformen von nationaler und internationaler Ausbreitung untersucht: 1) das Miethäusersyndikat in Deutschland und 2) Community Land Trusts in Großbritannien. Zum anderen stehen neue Wohnungsbewegungen im Mittelpunkt: 3) das nationale Netzwerk der PAH (Plattform der Hypothekenkreditopfer) in Spanien und 4) das transnationale Netzwerk der European Action Coalition. Methodologisch setzt das Vorhaben insbesondere auf die Analyse relationaler Situationen und bedient sich dafür problemzentrierten Interviews mit SchlüsselaktivistInnen von Wohnungsbewegungen und SprecherInnen intermediärer Institutionen wie NGOs sowie teilnehmenden Beobachtungen an Vernetzungstreffen etc. Diese Erhebungsmethoden stellen die Basis für die qualitative Netzwerkanalyse dar, mit der die Netzwerke der Commoners und die Mobilisierung ihrer Strategien untersucht werden soll. Außerdem werden ExpertInneninterviews, u.a. mit SprecherInnen von Stadtverwaltungen, durchgeführt, um die räumlich-politischen Effekte der Mobilisierung von Commoning-Praktiken zu analysieren. Die relational-komparative Perspektive auf ausgewählte Commoning-Beispiele zu Wohnen soll Erkenntnisse über die Art und Weise sowie die Effekte der transnationalen Diffusion alternativer Wohnansätze und damit verbundener Bewegungsnetzwerke in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten liefern. Damit möchte das Projekt einen Beitrag zur Erforschung von Netzwerken und Policy-Mobilität urbaner sozialer Bewegungen leisten. Zudem besitzt das Vorhaben sozialpolitische Relevanz für die wieder an Bedeutung gewinnende Wohnungsfrage.


Projektleitung
Hölzl, Corinna Dr. (Details) (Angewandte Geographie (Stadt- und Regionalplanung))

Laufzeit
Projektstart: 10/2017
Projektende: 07/2023

Forschungsfelder
Geographie

Zuletzt aktualisiert 2021-03-06 um 15:56