Entstehung und Steuerung "gemischter" unterrichtsorganisatorischer Normen im Transfervergleich (Spanien, Irland, Indien, ca. 1840-1900)


Im 19. Jahrhundert fand ein gewaltiger unterrichtsorganisatorischer Übergang statt, der alte Muster nicht kontinuierlicher Interaktionen im Klassenzimmer zugunsten eines systematisch aufgebauten Interaktionssystems überwand. Im Rahmen einer langwierigen, international geführten Diskussion über Unterrichtsorganisation setzte sich schließlich ein auf homogenen Jahrgangsgruppen basierendes Unterrichtsszenario durch. Nachdem der zu Anfang des 19. Jahrhunderts vielerorts populäre wechselseitige Unterricht, der auf dem systematischen Einsatz von Kindern als Lehrern beruhte, in Misskredit geraten war, versuchten diverse "gemischte" Unterrichtssysteme die angestrebte Systematisierung schulischer Interaktionen dadurch zu erreichen, dass sie Elemente des wechselseitigen Unterrichts durch Kinder mit dem Gruppenunterricht durch erwachsene Lehrer verbanden. Diese "gemischten" Systeme waren ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zur modernen Jahrgangsklasse, werden in der Forschung jedoch weitgehend übersehen. Angelegt als Vergleich unterschiedlicher Transferprozesse, untersucht das Projekt die Entstehung und die Ausgestaltung "gemischter" Unterrichtssysteme in Frankreich und England sowie ihren Transfer und ihre Durchsetzung in mehreren europäisch-peripheren und kolonialen Kontexten. Im Einzelnen geht es um die Entstehung, den Transfer und die Umsetzung zweier in internationaler Perspektive einflussreicher Referenzmodelle "gemischter" Unterrichtssysteme: des französischen enseignement simultané-mutuel in Spanien sowie des englischen pupil teacher system in Irland und Indien.


Projektleitung
Caruso, Marcelo Prof. Dr. (Details) (Historische Bildungsforschung)

Laufzeit
Projektstart: 08/2012
Projektende: 10/2017

Zuletzt aktualisiert 2020-17-11 um 10:53