KFOR/1: Bildakt-Forschung. Geschichte, Technik und Theorie des Bildaktes


Am Anfang war das Bild. Zahlreiche Religionen und Philosophien haben diesen Umstand, der für alle sprachbetonte Erkenntnis ein Skandalon darstellt, negiert, verdrängt oder in der These neutralisiert, dass Bilder lediglich Abbilder, Zeichen oder Spiegel sind. Sie haben demzufolge nur einen abgeleiteten Status, sie sind Stellvertreter ohne Eigenaktivität. Die Kolleg- Forschergruppe hat dagegen eine fundamentale Revision des Bildbegriffes zum Ziel, da sie zeigen will, dass Bilder als Objekte immer auch miterzeugen, was sie darstellen. Dies bedeutet, dass Bilder nicht passiv wiedergeben, sondern kognitiv und emotional aktivieren. Aus diesem Grund ist der Begriff der „Illustration“ radikal in Frage zu stellen. Was für die sprachdominierte Theorie bisher undenkbar war, wird durch die aktuelle Bildpraxis selbst mit Macht vorangetrieben: Bildgebende Verfahren in den Wissenschaften, wie beispielsweise Gehirnscans, sind keine „Illustrationen“, sondern Untersuchungsinstrumente, welche die Phänomene mitproduzieren, die sie darstellen. Philosophie und Kunstgeschichte befassen sich seit ihrer Gründung mit Bildtheorien. Neue Forschungen auf dem Gebiet der Kognitionswissenschaften, die die Wichtigkeit von Verkörperung für kognitive Prozesse thematisieren, können heute alte Annahmen über Bilder empirisch belegen oder widerlegen. Die Bildakttheorie bleibt ohne Theorie der Verkörperung ohne Physis, denn sie setzt analog zu Sprechakten einen Bildproduzenten und Empfänger voraus sowie die dynamische Realität eines Bildobjektes. Die übergeordneten Bereiche des Kollegs für Bildakt-Forschung sind daher transmedial gewählt und durchdenken zentrale Sphären sowohl der Kunstgeschichte wie auch der philosophischen Erkenntnis grundsätzlich neu.


Principal Investigators
Bredekamp, Horst Prof. Dr. phil. (Details) (Research Groups)

Duration of Project
Start date: 09/2008
End date: 08/2011

Research Areas
Art History

Last updated on 2021-08-09 at 13:43