SFB 644/3 Pluralisierung und Funktion von Antike im literarischen Feld des 18. Jahrhunderts (B12)


Das Teilprojekt B 12 fragt nach Pluralisierungen der Antike in der Literatur der deutschen Aufklä-rung und damit nach Aspekten der Kontingenz von Allelopoiese, die der SFB in seiner abschlie-ßenden Phase verstärkt untersucht. Es setzt einen formgeschichtlichen Schwerpunkt auf den Gat-tungen und Genres der Lyrik (Unterprojekt 1: Pluralisierung und Funktion von Antike in der deut-schen Lyrik der Aufklärung) sowie einen thematischen Schwerpunkt auf die Verhandlung der Er-eignisse des ‚siebenjährigen Kriegs‘ (Unterprojekt 2: Transformationen der Antike in der literari-schen Diskursivierung des siebenjährigen Kriegs). Die beiden Unterprojekte teilen zentrale Frage-stellungen und berühren sich in ihren Gegenständen, so dass sie wechselseitig voneinander profi-tieren. Die Aufklärung nutzt und erweitert die Kontingenzen und Potentiale, die im Blick auf die Antike zur Verfügung stehen: Die literarischen Antike-Referenzen finden im Rahmen eines mit subtilen Unterscheidungen operierenden Textsorten- und Mediensystems sowie der entsprechenden Form-semantiken statt; sie werden räumlich und zeitlich differenziert vorgenommen und konkurrieren zudem mit nationalen Vergangenheiten um Geltung; sie sind Teil einer komplexen innerdeutschen Konkurrenz, die untrennbar in den internationalen Wettbewerb mit den klassizistischen Groß-mächten Frankreich und England eingebunden ist; und auch die je besonderen regionalen Bedin-gungen präformieren Transformationsprozesse – dies gilt zumal angesichts der Omnipräsenz von Antike-Referenzen im Alltag des 18. Jahrhunderts, die die für beide Unterprojekte zentralen Orte wie Berlin, Dresden, Halle, Hamburg, Leipzig, Wien nicht zuletzt zu ‚literarischen Topoi‘ mit ganz unterschiedlichen Profilen werden lassen. Mit solchen Pluralisierungen der Antike reagiert die Aufklärung u.a. auf die Herausforderung durch die soziale und kulturelle Heterogenität, die bereits die Zeitgenossen für das 18. Jh. konsta-tiert und nicht selten ihrerseits gezielt befördert haben. Dabei erlaubt sie sich auffällige Asymmet-rien zugunsten der Aufnahmekultur. Dass am Ende des 18. Jhs. das allelopoietische Moment von Friedrich Schlegel in den Fragmenten des Athenäum so provokativ pointiert wird („Jeder hat noch in den Alten gefunden, was er brauchte, oder wünschte; vorzüglich sich selbst“), ist im literarischen Feld ein Effekt dieser Entwicklungen.


Projektleitung
Martus, Steffen Prof. Dr. phil. (Details) (Neuere deutsche Literatur vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart)

Laufzeit
Projektstart: 12/2013
Projektende: 12/2016

Zuletzt aktualisiert 2020-19-03 um 23:22