Neurokognitive Fehlfunktionen bei komorbider Zwangs-/chronischer Ticstörung


Die Zwangsstörung (ZS) ist eine heterogene Störung. Man nimmt an, dass diese Heterogenität die Identifikation der zugrunde liegenden ätiologischen Mechanismen erschwert. Daher ist eine der Forschungsprioritäten die Präzisierung der Nosologie. Ein Ansatz zielt auf die Identifikation von Subtypen, d.h. die Zerlegung des Phänotyps in homogenere Gruppen basierend auf spezifischen Merkmalen. Die ZS mit einer komorbiden (lifetime) Diagnose einer chronischen Ticstörung (TS) unterscheidet sich von der puren ZS. Angenommen wird, dass diese tic-bezogene ZS ätiologisch verwandt mit chronischen TSen ist. Dies könnte sich in unterschiedlichen Mechanismen, die den Zwangshandlungen von tic-bezogener und tic-freier ZS zugrunde liegen, widerspiegeln. Bei der tic-bezogenen ZS kommt es während oder vor den Zwangshandlungen häufiger zum Auftreten von sensorischen Phänomenen (z.B. Bewegungsdrang). Dies ist vergleichbar mit der chronischen TS. Die tic-freie Zwangsstörung ist stärker durch die Schadensvermeidung motiviert. Das vorliegende Projekt zielt darauf ab zu untersuchen, ob diese Unterschiede mit neurokognitiven Dysfunktionen assoziiert sind. Sensorische Phänomene werden als das Ergebnis eines defizitären sensorischen Filtermechanismus betrachtet. Dies wird mittels des Präpuls-Hemmungs-Paradigmas untersucht werden. Die Vermeidung von Schaden oder negativen Verhaltensergebnissen wird mittels einer probabilistischen Auswahlaufgabe gemessen die es erlaubt, die Sensitivität gegenüber negativer Rückmeldung zu messen. Schließlich wird eine Störung in der Reaktionshemmung als ein möglicher Mechanismus, der repetitivem Verhalten zugrunde liegen könnte, untersucht. ZS, aber nicht chronische TS, ist mit verlängerten Stop Signal Reaktionszeiten assoziiert. Ausgehend von der Hypothese, dass tic-bezogene ZS und chronische TS ätiologisch verwandt sind, untersuchen wir, ob Reaktionshemmung bei tic-bezogener ZS ebenfalls intakt ist. Wir werden 24 Patient*innen mit tic-bezogener ZS, 24 Patient*innen mit tic-freier ZS sowie 24 Gesunde testen. Zusätzlich testen wir mindestens 20 Patient*innen mit chronischer TS als klinische Kontrollgruppe. Wir erwarten, dass bei der tic-bezogenen ZS einige Dysfunktionen abwesend sein werden (repressives Modell) während andere quantitativ verändert sind.


Sprecher/in
Kloft, Lisa Dr. (Details) (Klinische Psychologie)

Laufzeit
Projektstart: 04/2015
Projektende: 05/2019

Forschungsbereiche
Differentielle, Klinische und Medizinische Psychologie, Methoden

Zuletzt aktualisiert 2021-15-07 um 13:11