Konfliktprävention in der Region Südkaukasus, Zentralasien und Moldau, "MEIN - DEIN - UNSER. Lokale Authentizität und kulturelle Vielfalt als Brücke der Versöhnung in Südkaukasien?"


Im Kontext der Konflikte zwischen den drei kaukasischen Staaten Armenien, Aserbaidschan und Georgien wird auch immer wieder um „nationales Kulturgut“ gestritten. Eine Konstruktion von Nationalität schließt eine „Nationalisierung“ von materieller und immaterieller Kultur ein, die von Mythen begleitet und für die emotionale Anreicherung von Feindbildern genutzt wird. Während sich die Regierungen aller drei Staaten um die Anerkennung von Kulturstätten als „Weltkulturerbe“ bemühen, finden oft massive verbale „Schlachten“ in der Presse und besonders in virtuellen Medien zwischen den Vertretern der in Konflikt geratenen Länder um Musik, Literatur, Baudenkmäler oder sogar Speisen statt. Da solche „Kriege“ um das gemeinsame Kulturerbe sozialpsychologisch besonders nachhaltig sind, stellt sich unser Projekt die Aufgabe, diese Konflikte im Kulturbereich zu thematisieren und im Umkehrschluss, Kultur- (und Natur)erbe im Kontext von lokaler Authentizität und regionaler Vielfalt als Potential für Toleranz zu erkennen und erlebbar zu machen. Die positiven Beispiele in der gemeinsamen Kulturgeschichte Südkaukasiens könnten hierfür eine Basis sein: vom ausgehenden Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert hinein gab es literarische und künstlerische Phänomene, die heutige nationale Grenzen und ethnischen Konstruktionen negierten. Ohne einer Nostalgisierung von diktierter „Völkerfreundschaft“ zu folgen, soll im Rahmen des Projektes die Rolle von Kultur und nationalem Kulturerbe bei der Konstruktion nationaler Identitäten wissenschaftlich und praktisch nachgegangen werden und zugleich in Beziehung zu lokalen und überregionalen Identitäten und interkultureller Toleranz gesetzt werden. Zielgruppe des Projekts sind – wie auch bei den vorangehenden Workshops von 2012-2014 –Studenten, junge und erfahrene Geisteswissenschaftler, Pädagogen und Aktivisten der Friedeninitiativen Südkaukasiens. Hinzu kommen Vertreter aus den Kunst- und Kulturwissenschaften und aktive Künstler. Eingeladen werden Teilnehmer aus allen drei Republiken, wobei Vertreter aus den Konfliktregionen Abchasien, Süd-Ossetien, Karabach ausdrücklich gewünscht sind. Bei der Auswahl der Teilnehmer wird neben der fachlichen und einer gewissen sprachlichen Kompetenz (lingua franca Russisch/Englisch) auf die Präsenz nationaler Minderheiten und die Mitarbeit weiblicher Kolleginnen geachtet. Im Zentrum der Maßnahme steht die Organisation einer Konferenz in Tbilisi zum Thema „Kultur- und Naturerbe – ein teilbares Gut oder gemeinsamer Wert unserer Völker?“ (Arbeitsthema). Wissenschaftler und Bürgeraktivisten sollen zum Thema referieren und darüber diskutieren. Die Materialien der Konferenz werden vor allem für die Internetportale „Clio-Caucasus“, „Alternativ Start“, „Cultural Caucasus“ als e-learning-Material aufbereitet und öffentlich zugänglich gemacht. Vorgesehen ist zudem eine Zusammenarbeit mit den DAAD-Büros, den deutschen Botschaften und politischen Stiftungen in Baku, Erivan und Tbilisi. Kooperationsbeziehungen bestehen zu Kollegen der Akademie der Wissenschaften in den drei Hauptstädten, den Staatlichen Universitäten sowie weiteren Privatuniversitäten.


Projektleitung
Auch, Eva-Maria Prof. Dr. (Details) (Geschichte Aserbaidschans (S))

Laufzeit
Projektstart: 01/2015
Projektende: 12/2015

Zuletzt aktualisiert 2020-19-03 um 23:08