Die Symbolik der Demokratie. Inszenierung, Repräsentation und die Konstitution des politischen Imaginären


"Das Projekt widmet sich der Symbolik der Demokratie und untersucht diese in zweierlei Hinsicht: als grundsätzliches Element für die Konstitution des politischen Imaginären und in ihrer Modulierung unter aktuellen massenmedialen Bedingungen, mit besonderer Berücksichtigung der Politiker-Inszenierungen. Die Frage nach der Repräsentierbarkeit moderner Demokratien ist dringender geworden. Sie betrifft nicht nur die Handlungsdimension, sondern schließt v.a. die symbolische Dimension der Politik mit ein. Gerade auf der symbolischen Ebene scheint die politische Repräsentation eine neue Strukturierung zu erfahren. Nirgends lässt sich das Eindringen von Inszenierungs-, Visualisierungs- und Ästhetisierungsprinzipien aus den Massenmedien in die politische Repräsentation der Demokratie besser beobachten als bei der Inszenierung von PolitikerInnen im Fernsehen. Dort sieht man, wie sich von Zeit zu Zeit die Selbstdarstellungen der Politiker von institutionellen sowie politischen Referenzen lösen und sogar selbstreferenzielle und dekonstruierende Dynamiken übernehmen. Sie inszenieren sich nicht als Politiker, sondern als Politiker,
die sich selbst inszenieren. Diese Art der Selbstdarstellung werde ich
inszenierte Inszenierung nennen. Beispiele dafür liefern Guido Westerwelles Besuch des Big-Brother-Containers oder Gerhard Schröders Auftritt in Gute Zeiten, schlechte Zeiten von 1998. Aktuelle Beispiele etwa von Silvio Berlusconi oder Nicolas Sarkozys Love-Story mit Carla Bruni in den französischen Medien zeigen, dass es sich nicht um ein vorübergehendes Phänomen handelt. Sogar in der Schweiz findet man Fälle der
inszenierten Inszenierung. In Mai 2007 überraschte die damalige Bundespräsidentin, die Sozialistin Micheline Calmy-Rey, mit ihrem Auftritt als Sängerin in einer populären Fernsehsendung. Gemeinsam haben diese Inszenierungen die Distanz und teilweise den ironischen Gestus des politischen Repräsentanten gegenüber seiner Rolle. In dieser Situation sind sowohl die Politikwissenschaft als auch benachbarte Disziplinen wie Soziologie und Kulturwissenschaft mit neuen Faktoren für die Konstitution des politischen Imaginären konfrontiert. Die zunehmende Selbstreferenzialität, Hyperrealität und der spielerische Umgang mit massenmedialen Inszenierungen müssen in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung berücksichtigt werden. Angesichts dieser neuen Faktoren werden grundsätzliche Fragen zur Symbolisierung der Demokratie aktuell. Sie betreffen die (Un-)Möglichkeiten der Symbolisierung von Volkssouveränität in der Demokratie und beziehen sich auf die Reifizierung der Legitimität von Politik durch Symbolisierungsverfahren sowie auf die Herstellung von Repräsentationsmodi, die die Veränderbarkeit der Gesellschaft symbolisch zum Ausdruck bringen können. Es geht um die grundsätzliche Bedeutung der symbolischen Repräsentationsverfahren der Politik für die Konstitution des politischen Imaginären und um die Veränderungen ihrer Modulierung und Strukturen angesichts der aktuellen massenmedialen Bedingungen. Ziel des Forschungsvorhabens ist deshalb, die intrinsischen Beziehungen zwischen symbolischer Repräsentation und Konstitution des politischen Imaginären der Demokratie zu untersuchen, die Rolle der PolitikerInnen als Repräsentanten politischer Institutionen herauszuarbeiten sowie Methoden und Begriffe zu entwickeln, die die politischen Repräsentationsverfahren wie Ästhetisierung, Visualisierung und Inszenierung berücksichtigen."

Projektleitung
Bidigarai Diehl, Paula (Details) (Theorie der Politik)

Laufzeit
Projektstart: 02/2009
Projektende: 12/2016

Zuletzt aktualisiert 2020-01-06 um 17:42