VA: Protestantismus-Antijudaismus-Antisemitismus. Konvergenzen und Konfrontationen in ihren Kontexten


Anläßlich des nahenden Reformations-Gedenkjahrs 2017 ist ein längere Zeit eher randständiges Thema in den Fokus des Interesses gerückt, nämlich das Verhältnis Martin Luthers zur wichtigsten gesellschaftlichen Randgruppe seiner Zeit, den Juden. Mit ihm wird nicht nur eine historisch Spezialfrage erörtert, sondern an ihm wird diskutiert, ob und inwieweit die Reformation als positiver Bezugspunkt für politisch-gesellschaftliche Orientierung zu gelten vermag und wie ihre Bedeutung für die Geschichte des neuzeitlichen und modernen Christentums zu bewerten ist. Der Aktualitätsschub, den das Thema so erfahren hat, zeigt sich nicht allein in Medien und Talkshows, sondern schlägt sich auch in der Wissenschaft nieder. Es erschien eine neue einschlägige Monographie, kirchenhistorische Aufsätze folgten. Und Theologische Fakultäten wie andere akademische Gremien planen Veranstaltungen, die sich mit Martin Luthers Haltungen zu den Juden und deren Wirkungsgeschichte befassen. In diesen Zusammenhang gehört die Tagung „Protestantismus-Antijudaismus-Antisemitismus. Konvergenzen und Konfrontationen in ihren Kontexten“, die die Antragsteller im Herbst 2015, 5. - 7. Oktober, in Berlin durchführen wollen. Worin hat die Konzeption dieser Tagung ihr Spezifikum? Während all jene Debatten, Veröffentlichungen und Planungen um „Luther und die Juden“ sowie die Wirkungen seiner Haltungen kreisen, wird die Berliner Tagung den Focus weiter einstellen. Das traditionelle Thema soll in drei Durchgängen gleichsam mehrdimensional umspielt und damit einerseits entgrenzt, andererseits neu beleuchtet werden: a) in einer Betrachtung des zeitgenössischen frühneuzeitlichen Kontexts, b) in einer Betrachtung der Entwicklung der Einstellungen zum Judentum im deutschen Protestantismus des 19. und frühen 20. Jahrhunderts unter dem Gesichtspunkt der sie prägenden Traditionen und c) in einer Betrachtung gleichzeitiger Entwicklungen in anderen, teils lutherischen, teils nichtprotestantischen Ländern. So befindet sich die Konzeption der Tagung in Übereinstimmung mit der von staatlicher und kirchlicher Seite im Vorfeld des Jubiläums von 2017 zu Recht immer wieder verkündeten Absicht, das Reformationsgedenken aus der Fixierung auf Martin Luther und auf Deutschland herauszuführen und die Vorkämpfer und die Widersacher, die Ereignisse wie die Ergebnisse der Reformation, die Geschichte ihrer positiven wie ihrer negativen Fortwirkungen auch in übergreifenden, transnationalen wie transkonfessionellen Zusammenhängen zu erörtern.


Principal Investigators
Wendebourg, Dorothea Prof. Dr. (Details) (Ecclesiastical History Specializing in Modern History / History of Reformation)

Duration of Project
Start date: 10/2015
End date: 12/2015

Last updated on 2020-20-03 at 23:14