SPP 1646/2: Die Rolle der Sprachkompetenz von Personen mit Zuwanderungshintergrund in der Erst- und Zweitsprache für die Sozialintegration, insbesondere in Bezug auf Bildung: Analysen der NEPS-Daten (NEPS-SPP II)


Im Mittelpunkt der geplanten Fortführung unseres interdisziplinären Projekts steht die Auseinandersetzung mit der Rolle von Sprachkompetenzen und Sprachgebrauch in der Erst- (L1) und Zweitsprache (L2) für die Sozialintegration von Zuwanderer*innen und ihren Nachkommen im Aufnahmeland. Das fortgeschrittene Analysepotential der zukünftig verfügbaren Wellen der NEPS-Daten bildet hierfür die Grundlage. Ausgehend von einem allgemeinen Kapitalansatz lassen sich Sprachkompetenzen als zentrale Ressource für die Sozialintegration, insbesondere für die strukturelle Integration in das Bildungssystem auffassen. Während weitgehende Einigkeit darüber besteht, dass die Sprache des Aufnahmelandes (L2) eine Kernvoraussetzung der Integration bildet, ist die Bedeutung der Sprache des Herkunftslandes (L1) umstritten. Das Projekt widmet sich dieser Kontroverse und geht der Frage nach der Bedeutung der L1 und der L2 für den Bildungserfolg nach. In der ersten Förderphase konnten anhand der zur Verfügung stehenden Scientific Use Files die Zusammenhänge zwischen Sprachkompetenzen, Sprachgebrauch und einer Reihe von Indikatoren des schulischen Kompetenzerwerbs im Querschnitt analysiert werden. Im Laufe der zweiten Förderphase wird erstmals die Möglichkeit bestehen, den Forschungsfragen im Längsschnitt nachzugehen und dabei die zugrunde liegenden Prozesse genauer zu untersuchen. Für alle Startkohorten werden Daten von jeweils drei bis zu sieben Erhebungswellen verfügbar sein. Im Zentrum des Vorhabens steht auch in der zweiten Förderphase die Rolle der Sprache für die strukturelle Integration, wobei unter anderem der Transfer zwischen Kompetenzen in der L1 und in der L2 genauer untersucht werden soll. Dabei wird Fragen nach dem Einfluss der L1-Kenntnisse sowie des L1-Sprachgebrauchs auf die Kompetenzentwicklung, auf Bildungsentscheidungen und auf den Arbeitsmarkterfolg nachgegangen. Außerdem werden zusätzliche Dimensionen der Sozialintegration untersucht, insbesondere das Zusammenspiel von kultureller Identität und Sprachkompetenzen bzw. Sprachgebrauch für den Bildungserfolg, wobei gemeinsame und eigenständige Einflüsse betrachtet werden. Ein weiteres Anliegen besteht darin, Muster und Determinanten des Spracherwerbs und des Sprachgebrauchs insbesondere in wichtigen Phasen im Kindes- und Jugendalter längsschnittlich zu analysieren. Es geht vor allem um die Frage, wie sich die sprachlichen Muster zwischen verschiedene Herkunftsgruppen, Generationen und Kohorten unterscheiden und mit welchen Bedingungen diese Disparitäten in Verbindung stehen. Zudem ist geplant, auf der Grundlage bisheriger Befunde zur eingeschränkten Validität selbstberichteter Sprachkompetenzen statistische Verfahren zur Korrektur der Verzerrung von Selbsteinschätzungen zu entwickeln.


Projektleitung
Stanat, Petra Prof. Dr. (Details) (Berliner Inst. f. empirische Integrations- u. Migrationsforsch.)
Kristen, Cornelia Prof. Dr. (Otto-Friedrich-Universität Bamberg)

Weitere Projektmitglieder
Edele, Aileen Dr. (Humboldt-Universität zu Berlin)
Schotte, Kristin (Humboldt-Universität zu Berlin)

Beteiligte Organisationseinheiten der HU

Laufzeit
Projektstart: 03/2016
Projektende: 10/2021

Forschungsbereiche
Empirische Sozialforschung

Forschungsfelder
Empirische Bildungsforschung, Heterogenität, Migration und Integration

Publikationen
Edele, A., Kempert, S. & Schotte, K. (2018). Does competent bilingualism entail advantages for the third language learning of immigrant students? Learning and Instruction, 58, 232-244. doi: https://doi.org/10.1016/j.learninstruc.2018.07.002

Kempert, S., Edele, A., Rauch, D., Wolf, K.M., Paetsch, J., Darsow, A., Maluch, J. & Stanat, P. (2016). Die Rolle der Sprache für zuwanderungsbezogene Ungleichheiten im Bildungserfolg. In C. Diehl, C. Hunkler & C. Kristen (Hrsg.), Ethnische Ungleichheiten im Bildungsverlauf: Mechanismen, Befunde, Debatten (S. 157-241). Wiesbaden: VS Verlag.

Kristen, C., Seuring, J. & Stanat, P. (2019): Muster und Bedingungen des Erwerbs und Erhalts herkunftssprachlicher Kompetenzen. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 22, 143–167. doi: 10.1007/s11618-019-00883-3

Olczyk, M., Seuring, J., Will, G. & Zinn, S. (2016). Migranten und ihre Nachkommen im deutschen Bildungssystem: ein aktueller Überblick. In C. Diehl, C. Hunkler & C. Kristen (Hrsg.), Ethnische Ungleichheiten im Bildungsverlauf: Mechanismen, Befunde, Debatten (S. 157-241). Wiesbaden: VS Verlag

Schotte, K., Stanat, P. & Edele, A. (2018). Is integration always most adaptive? The role of cultural identity in academic achievement and in psychological adaptation of immigrant students in Germany. Journal of Youth and Adolescence, 47(1): 16-37. doi: 10.1007/s10964-017-0737-x.

Zuletzt aktualisiert 2021-30-07 um 12:45