Literarisch stimulierte Emotionalität


Das Projekt LisE (Literarisch stimulierte Emotionalität) untersucht das emotionale Erleben im Umgang mit Literatur als einem Kernelement schulisch vermittelter kultureller Bildung sowie dessen Bedeutung für das Verstehen literarischer Texte. Emotionales Erleben im Umgang mit literarischen Texten wird zwar als zentrales Element ästhetischer Erfahrung verstanden, unklar ist aber, von welchen Merkmalen das emotionale Erleben in der Auseinandersetzung mit literarischen Texten abhängt und in welcher Form es das Textverstehen begünstigt. Im Rahmen empirischer Studien wird untersucht, inwieweit sich im schulischen Kontext emotionales Erleben in der Auseinandersetzung mit literarischen Texten sowohl durch Annahmen von Appraisal-Theorien als auch durch das Emotionspotenzial eines Textes erklären lässt. Darüber hinaus wird geprüft, inwieweit das Verstehen literarischer Texte vom Zusammenspiel zwischen emotionalem Erleben und dem Erkennen intendierter Emotionalität abhängt. In diesem Zusammenhang kommt der Empathie als Fähigkeit, sich in die Perspektive und Emotionalität einer literarischen Figur oder in die Stimmungen lyrischer Werke einzufühlen, eine wichtige Schlüsselstellung als vermittelndes Konstrukt zu. Eine genauere Untersuchung der Vermittlungsprozesse zwischen emotionalem Erleben, Empathie und literarischem Textverstehen ist insbesondere aus literaturdidaktischer Sicht von Interesse, weil Empathie im Rahmen unterrichtsdidaktischer Modelle für gelingendes literarisches Textverstehen als zentral angesehen wird. Weitere empirische Studien im Projekt LisE untersuchen daher, inwieweit die Ausbildung von Empathie durch außerschulische Lesepraxis und die Unterrichtskonzeption der Lehrkraft bedingt werden.


Projektleitung
Stanat, Petra Prof. Dr. (Details) (Lehr-Lernforschung, Förderung und Evaluation (Pädagog. Psychol.))
Henschel, Sofie (Details) (Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen e.V.)
Roick, Thorsten Dr. (Humboldt-Universität zu Berlin)

Weitere Projektmitglieder
Marx, Alexandra Dr. (Humboldt-Universität zu Berlin)

Beteiligte Organisationseinheiten der HU

Laufzeit
Projektstart: 01/2015
Projektende: 05/2017

Forschungsfelder
Emotionen, empirische Bildungsforschung, Lesen, Literatur, Sekundarstufe

Publikationen
Brüggemann, J., Frederking, V., Albrecht, C., Drewes, J., Henschel, S. & Gölitz, D. (2015). Literarische Interpretations- und Kommunikationskulturen im Blick empirischer Forschung. In M. Lessing-Sattari, M. Löhden, A. Meissner & D. Wieser (Hrsg.), Interpretationskulturen. Literaturdidaktik und Literaturwissenschaft im Dialog über Theorie und Praxis des Interpretierens (S. 219-249). Frankfurt am Main: Peter Lang.

Brüggemann, J., Frederking, V., Henschel, S. & Gölitz, D. (2016). Emotionale Aspekte literarischer Textverstehenskompetenz: Theoretische Annahmen und empirische Befunde. In N. Fuhrhop & T. Mundhenk (Hrsg.), Mitteilungen des Deutschen Germanistenverbandes (Bd. 63, S. 105-118). Göttingen: V&R.

Frederking, V. & Brüggemann, J. (2012). Literarisch kodierte, intendierte bzw. evozierte Emotionen und literarästhetische Verstehenskompetenz. Theoretische Grundlagen einer empirischen Erforschung. In D. Frickel, C. Kammler & G. Rupp (Hrsg.), Literaturdidaktik im Zeichen von Kompetenzorientierung und Empirie. Perspektiven und Probleme (S. 15–40). Freiburg: Fillibach.

Frederking, V., Brüggemann, J., Henschel, S., Burgschweiger, C., Stark, T., Roick, T., Gölitz, D. & Hasenstab, S. (2017). Erleben und Verstehen. Das emotionale Potenzial literarischer Texte. In Rat für Kulturelle Bildung (Hrsg.), Studien zu Wirkungen Kultureller Bildung (S. 42-53). Essen: Rat für Kulturelle Bildung e.V.

Zuletzt aktualisiert 2020-17-11 um 11:16