SFB 644 I-II: Identität in der Verwandlung. Figuren von Metamorphose und Konversion in der Literatur der Antike, des Mittelalters und der Frühen Neuzeit (Teilprojekt B 2)


Das Teilprojekt untersucht Konstruktion und Wandel kultureller Deutungsmuster, die in den Adaptionen des antiken Liebes- und Reiseromans entworfen werden. Dieser Romantyp ist dafür besonders geeignet, da er sich in Erzählstruktur und Figurengestaltung durch eine Dialogisierung und Entgrenzung der Überzeugungen und Weltbilder auszeichnet. Dies prägt auch seine Transformationen in Spätantike, Mittelalter und Früher Neuzeit, denn die Adaption des Erzähltyps bietet die Möglichkeit, unterschiedliche Sinnorientierungen aufeinander zu beziehen und zu reflektieren. Dieser experimentelle Charakter der Adaption beruht auf dem besonderen Erzählmuster des antiken Liebes- und Reiseromans, das in der Aneignung weitgehend gleich geblieben ist. Es besteht aus einem fortwährenden Wechsel von Trennungen und Wiedervereinigungen eines Liebespaares oder einer Familie, dem erst mit einer letzten Anagnorisis (Wiedererkennung) ein Ende gesetzt wird. Verbunden ist dies mit je neuen Prüfungen ihrer Treue und der Bewährung ihrer Keuschheit angesichts zahlreicher Widerstände.


In den Adaptionen des Liebes- und Reiseromans in Spätantike, Mittelalter und Früher Neuzeit bleibt dieses Strukturmuster erhalten, wird zugleich aber mit anderen Problemstellungen und literarischen Formen verbunden. Das betrifft bereits die apokryphen Apostelakten und führt über hagiographische Literatur und Legendenromane des Mittelalters hin zur Renaissance des antiken Liebes- und Reiseromans im 16. Jahrhundert. Dabei werden etwa Fragen der religiösen Orientierung, der Legitimation von Herrschaft, des Konflikts zwischen subjektivem Liebesbegehren und gesellschaftlichen Verpflichtungen u.ä. verhandelt.


In der langen Dauer der Wirkungsgeschichte des Romantyps kann also eine Reihe von Transformationsstufen unterschieden werden, innerhalb derer das dynamische Erzählmodell des Romans jeweils unterschiedlich funktionalisiert wird. Dabei dient es schließlich auch zu unterschiedlichen Konstruktionen der Antike, die Rückschlüsse auf die jeweilige kulturelle Selbstdeutung geben. Dies betrifft insbesondere die Wiederentdeckung des antiken Romans ab dem 16. Jahrhundert: die Antike wird als fremde Epoche betrachtet, der antike Roman als wiederentdeckte Gattung für innovative Erzählweisen aufgegriffen.


Das Teilprojekt untersucht Konstruktion und Wandel kultureller Deutungsmuster, die in den Adaptionen des antiken Liebes- und Reiseromans entworfen werden. Dieser Romantyp ist dafür besonders geeignet, da er sich in Erzählstruktur und Figurengestaltung durch eine Dialogisierung und Entgrenzung der Überzeugungen und Weltbilder auszeichnet. Dies prägt auch seine Transformationen in Spätantike, Mittelalter und Früher Neuzeit, denn die Adaption des Erzähltyps bietet die Möglichkeit, unterschiedliche Sinnorientierungen aufeinander zu beziehen und zu reflektieren. Dieser experimentelle Charakter der Adaption beruht auf dem besonderen Erzählmuster des antiken Liebes- und Reiseromans, das in der Aneignung weitgehend gleich geblieben ist. Es besteht aus einem fortwährenden Wechsel von Trennungen und Wiedervereinigungen eines Liebespaares oder einer Familie, dem erst mit einer letzten Anagnorisis (Wiedererkennung) ein Ende gesetzt wird. Verbunden ist dies mit je neuen Prüfungen ihrer Treue und der Bewährung ihrer Keuschheit angesichts zahlreicher Widerstände.


In den Adaptionen des Liebes- und Reiseromans in Spätantike, Mittelalter und Früher Neuzeit bleibt dieses Strukturmuster erhalten, wird zugleich aber mit anderen Problemstellungen und literarischen Formen verbunden. Das betrifft bereits die apokryphen Apostelakten und führt über hagiographische Literatur und Legendenromane des Mittelalters hin zur Renaissance des antiken Liebes- und Reiseromans im 16. Jahrhundert. Dabei werden etwa Fragen der religiösen Orientierung, der Legitimation von Herrschaft, des Konflikts zwischen subjektivem Liebesbegehren und gesellschaftlichen Verpflichtungen u.ä. verhandelt.


In der langen Dauer der Wirkungsgeschichte des Romantyps kann also eine Reihe von Transformationsstufen unterschieden werden, innerhalb derer das dynamische Erzählmodell des Romans jeweils unterschiedlich funktionalisiert wird. Dabei dient es schließlich auch zu unterschiedlichen Konstruktionen der Antike, die Rückschlüsse auf die jeweilige kulturelle Selbstdeutung geben. Dies betrifft insbesondere die Wiederentdeckung des antiken Romans ab dem 16. Jahrhundert: die Antike wird als fremde Epoche betrachtet, der antike Roman als wiederentdeckte Gattung für innovative Erzählweisen aufgegriffen.


Projektleitung
Röcke, Werner Prof. Dr. phil. (Details) (Sonderforschungsbereiche)

Laufzeit
Projektstart: 01/2005
Projektende: 12/2012

Forschungsfelder
Anagnorisis, Antike, Antiker Roman, antiquity, Early Modern Community, Entgrenzung, Experiment, Frühe Neuzeit, Identität, Identity, Julia Weitbrecht, Legenden, Liebesroman, Medieval Literature, Mittelalter, Reiseroman, Sebastian Möckel, Transformation, Weltbild, Werner Röcke

Zuletzt aktualisiert 2020-22-03 um 23:10