FOR 2569/2: Effizienz auf landwirtschaftlichen Bodenmärkten – Die Rolle von Liquidität und Wettbewerb

Teilprojekt 2 untersucht die Preisbildung auf Bodenmärkten und dabei
insbesondere das Zusammenspiel von (unvollständigem)
Wettbewerb, Strukturwandel und Liquidität des Marktes. Die
Kernfrage lautet: Sind die beobachteten Transaktionen und Preise
das Ergebnis einer effizienten Umverteilung einer knappen Ressource
oder sind sie beeinflusst durch die Ausübung von Marktmacht
aufgrund der Immobilität von Boden? Und ist die beobachtete geringe
Liquidität auf Bodenmärkten das Ergebnis von optimalen
Entscheidungen der Marktteilnehmer oder ist sie ein Anzeichen für
Marktineffizienz, da die beobachteten Preise nicht die verfügbare
Information über den Wert des Bodens widerspiegeln? Diese Fragen
sind von besonderer Bedeutung für die Forschungsgruppe, da ihre
Beantwortung Argumente für oder gegen eine Regulierung von
Bodenmärkten liefern kann. Generell ist Marktliquidität eng verknüpft
mit Markteffizienz: Sie gibt an, ob Marktteilnehmer in der Lage sind,
erwünschte Kauf- oder Verkaufstransaktionen ohne Verzögerung
durchzuführen. Die Einflussfaktoren und Auswirkungen von Liquidität
sind gut erforscht für Finanzmärkte, allerdings ist wenig bekannt über
den Zusammenhang zwischen Marktliquidität und Preisen auf
Bodenmärkten. Wir wollen hier zum einen Marktliquidität auf
Bodenmärkten mit verschiedenen Indikatoren und Methoden messen.
Zum anderen streben wir eine mikroökonomische Erklärung der
Marktliquidität mithilfe eines Realoptionsansatzes für die
Angebotsseite des Marktes. Ein Argument gegen unregulierte
Bodenmärkte besteht darin, dass die resultierende Verteilung des
Bodens eine unerwünschte Agrarstruktur fördert, wenn z.B. große
industrialisierte Farmen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber kleinen
Familienfarmen haben oder junge Landwirte mit begrenzten
finanziellen Mitteln nicht mit Finanzinvestoren mithalten können. Wir
wollen die Wachstumsentscheidungen von Betrieben empirisch
untersuchen und nehmen dafür Indikatoren für die
Wettbewerbsfähigkeit, insbesondere Konzentrationsmaße, und
Betriebscharakteristika in die Analyse auf. Zur Berechnung der
Konzentrationsmaße, die als Proxy für die Macht auf dem
Bodenmarkt dienen, muss der relevante Markt bestimmt werden, was
ein erklärtes Teilziel unserer Analyse darstellt. Auf illiquiden
Bodenmärkten mit heterogenen Böden entsteht eine Lücke zwischen
der Zahlungsbereitschaft von Käufern bzw. Pächtern und der
Verkaufs- bzw. Verpachtungsbereitschaft von Bodenbesitzern. Dies
führt zu Verhandlungen über den Preis des Bodens. Zur
Untersuchung von Verhandlungsmacht wurden in der Literatur bislang
vor allem hedonische Preismodelle verwendet, die an illiquide Märkte
mit heterogenen Gütern angepasst wurden. Wir ergänzen diese
ökonometrischen Ansätze durch die Entwicklung und Schätzung
eines strukturellen Modells. Dazu leiten wir ein Verhandlungsmodell
aus der Spieltheorie-Literatur her, wie z.B. das Ultimatumspiel oder
sequenzielle Verhandlungsmodelle.

Sprecher/in
Odening, Martin Prof. Dr. agr. habil. (Details) (Allgemeine Betriebslehre des Landbaus)

Weitere Projektbeteiligte
Ritter, Matthias Prof. Dr. (Details) (Quantitative Agrarökonomik insbesond. angewandte Ökonometrie (J))

Mittelgeber
DFG: Forschergruppen

Laufzeit
Projektstart: 08/2020
Projektende: 07/2023

Forschungsbereiche
Agrar-, Forstwissenschaften und Tiermedizin, Agrarökonomie und -soziologie, Lebenswissenschaften

Zuletzt aktualisiert 2020-26-08 um 15:05