Städtische Alltage von Menschen mit Psychose-Erfahrung - Ein kollaborativ-ethnografisches Projekt durch Europäische Ethnologie und Psychiatrie

Das Projekt untersucht die Alltage von Menschen mit Psychose-Erfahrung in sich rasch verän-dernden städtischen Räumen. Mittels eines qualitativ-quantitativen Methodenmixes mit einem Schwerpunkt auf ethnographischen Herangehensweisen werden Alltagserfahrungen, sozialräumli-che Veränderungen und neue sozialpsychiatrische Behandlungsformen in Bezug zueinander unter-sucht. Das Projekt forscht außerdem zusammen mit Menschen mit Psychose-Erfahrung, die un-terschiedlich viel Kontakt zum psychiatrischen Versorgungssystem haben. Das Vorhaben wird ers-tens herausarbeiten, wie der Zusammenhang von Stadtraum und psychiatrischer Beeinträchtigung im und durch den Alltag von ‚Betroffenen‘ hergestellt wird. Zweitens wird es zur Klärung der Frage beitragen, ob und wie be- und entstehende psychiatrische Versorgungsangebote diesem Zusam-menhang Rechnung tragen, und wie dies gegebenenfalls wiederum auf Alltagspraktiken von Be-troffenen rückwirkt. Drittens wird dieses Projekt diskutieren, inwieweit diese Zusammenhänge sinn-voll verallgemeinert werden können, um Aussagen zu treffen über die Auswirkungen urbaner Regierungstechniken, z.B. austerity urbanism, auf die Alltagserfahrungen der wachsenden Gruppe marginalisierter Menschen.
Die Verschränkung von phänomenologischen, stadtanthropologischen und psychiatrischen Aspek-ten hat hohen Innovationscharakter. Das Projekt ist daher kollaborativ gestaltet, d.h. es wird aus der Europäischen Ethnologie und aus der Psychiatrie heraus symmetrisch beantragt. Das Arbeits-programm der jeweiligen Mitarbeiter_innen ist eng verzahnt. Außerdem beinhaltet das Projekt eine wichtige partizipative Komponente, d.h. aus psychiatrischer Sicht ‚betroffene‘ Menschen kommen als Forschende zum Einsatz. Dies hat vor allem drei Gründe: Erstens folgt dieser Ansatz einem kollaborativen Paradigma innerhalb der Europäischen Ethnologie. Zweitens entspricht diese Form der Beteiligung neueren Forschungsansätzen und -desideraten in der Sozialpsychiatrie. Drittens erleichtert dieses Vorgehen methodisch den Zugang zu Menschen außerhalb und am Rande des psychiatrischen Versorgungssystems.
Das Projekt baut auf insgesamt acht Jahren u.a. DFG geförderter gemeinsamer Forschung am Schnittfeld von Europäischer Ethnologie und Psychiatrie auf (BE 3191/3-1 & BI 1678/1-1).

Projektleitung
Niewöhner, Jörg Prof. Dr. (Details) (Stadtanthropologie und Mensch-Umwelt Beziehungen)

Beteiligte Organisationseinheiten der HU

Beteiligte externe Organisationen

Mittelgeber
DFG: Sachbeihilfe

Laufzeit
Projektstart: 10/2020
Projektende: 09/2023

Forschungsbereiche
Ethnologie und Europäische Ethnologie

Zuletzt aktualisiert 2020-22-10 um 14:26