Grenzenlose Erinnerung? Über Dynamiken von Grenzziehungen, Erinnern und Vergessen in den Gesellschaften des Balkan

Die Beilegung des Streites um den Staatsnamen der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien mit deren Umbenennung in Republik Nordmazedonien 2018 hat auch weitere Prozesse auf dem Gebiet von Bildung, Wissenschaft und Kultur ausgelöst, die so vor kurzem nicht unbedingt realistisch erschienen. Die Einrichtung von bilateralen Kommissionen, jeweils mit Bulgarien und Griechenland, zur Erarbeitung einer Basis für ein Geschichtsverständnis, das Gemeinsamkeiten in den Vordergrund stellt, ist ein ermutigender Schritt.
Das Projekt einer Sommerschule versteht sich in dieser gesellschaftspolitischen Konstellation als ein Beitrag zur Stärkung der Möglichkeit einer rationalen, wissenschaftlich fundierten Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart. Den Veranstaltern geht es darum, einen Beitrag zur Unterstützung jener Akteure in der Region zu leisten, die in ihrer wissenschaftlichen und öffentlichen Arbeit für andere Konzepte stehen und Wissenschaft nicht als Legitimationsinstrument zur Abgrenzung geschlossener Gemeinschaften begreifen. Dies gerade in einem Teil des Balkan, in dem gemeinsames historisches Erbe und nationalistischer Exklusivismus in einer besonders zugespitzten Form aufeinandertreffen, sei es in der so genannten Makedonischen Frage im letzten Jahrhundert bis hin zu dem in den 1990er entfachten und bis in die Gegenwart andauernden Namensstreit zwischen Nordmazedonien und Griechenland.
Die Sommerschule will sich mit diesem Spannungsfeld zwischen Erinnerung, Vergessen und Abgrenzung auseinandersetzen. Sie soll Ort der Begegnung und des Austausches für Studierende und NachwuchswissenschaftlerInnen aus der Region sein. Für diesen Austausch sind zugleich die spezifischen Konstellationen von politischen Räumen und deren Veränderung in den letzten drei Jahrzehnten relevant: Hier kommen Studierende und wissenschaftlicher Nachwuchs aus zwei EU-Ländern (Griechenland und Bulgarien) und zwei potentiellen Beitritts-Kandidaten (Nordmazedonien und Albanien) zusammen. Ohrid als Tagungsort ist dabei bewusst gewählt, denn Ohrid ist von hervorragender Bedeutung als Kontaktzone für Albaner*innen, Makedonier*innen und Griech*innen und zugleich in Bulgarien außerordentlich präsent als Teil eines nationalen Imaginariums

Projektleitung
Voß, Christian Prof. Dr. (Details) (Südslawische Sprachen und Kulturen)

Beteiligte Organisationseinheiten der HU

Mittelgeber
DAAD

Laufzeit
Projektstart: 01/2020
Projektende: 12/2020

Zuletzt aktualisiert 2020-08-03 um 21:27