Hands-on-History: Die Geschichte der Interaktivität und die Entwicklung des Wissenschaftsmuseums zum Vermittler und Medium der Wissensgesellschaft (Hauptprojekt von Heisenberg-Stelle, Fortsetzung)

Die Geschichte der wissenschaftlich-technischen Moderne als der prägenden Kultur der westlichen Welt ist sowohl eine Erfahrungsgeschichte als auch eine Vermittlungsgeschichte – und damit vor allem eine Mediengeschichte. Statt auf Printmedien oder audiovisuelle Medien zu schauen, fokussiert das Projekt auf das Ausstellungsmedium mit seinen Qualitäten von Direktheit, Materialität und Interaktivität. Seit der Französischen Revolution wurde das Wissenschaftsmuseum immer wieder als "politische Maschine" in Gang gesetzt, um Wissenschaftsbilder zu generieren und Ingenieure zu rekrutieren. Interaktivität wurde der Köder, um den "technological citizen" zu fangen und zur Mitarbeit an gesellschaftlichen Herausforderungen zu verpflichten. Das interaktive Science Center weckte seit Ende der 1960er Jahre neue Begeisterung für die Phänomene der Wissenschaft, nahm es aber mit Geschichte und Nebenfolgen nicht so wichtig. Heute wiederum soll der Bürger im "partizipatorischen Museum" Zukunftspfade mit der Politik diskutieren und so mitlegitimieren.
Bei näherer Betrachtung zeigt sich schnell, dass der modische Begriff der Interaktivität alles andere als wohlbestimmt ist, er vielmehr viele, zum Teil widersprüchliche Bedeutungsschichten vereint. Im Zuge einer Hands-on History, die den Einsatz von Demonstrationsmodellen und interaktiven Darstellungsformen in Wissenschaftsmuseen, Ausstellungen und Science Centern für das 20. Jahrhundert betrachtet und ihre Mobilität institutionell wie geographisch verfolgt, soll auch eine Historisierung des Begriffs der Interaktivität vorgenommen werden. Auf diese Weise wird versucht, die Diskussion um die "politics of display" von Einzelobjekten oder -ausstellungen auf generelle Mechanismen zu erweitern sowie historische Entwicklungen der Verzahnung von Vermittlungsmedien der Wissenschaft auf der einen Seite und Politik bzw. Gesellschaft auf der anderen offenzulegen.

Projektleitung
Schirrmacher, Arne PD Dr. (Details) (Wissenschaftsgesch. /Schwerpkt. Bild.u.Org.d.Wissens 19./20.Jhd.)

Beteiligte Organisationseinheiten der HU

Mittelgeber
DFG: Sonstiges

Laufzeit
Projektstart: 08/2019
Projektende: 08/2021

Publikationen
Arne Schirrmacher: Das Wissenschaftsmuseum als „politische Maschine“ und seine Transformation im 20. Jahrhundert, Acta historica Leopoldina 74 (2019), S. 107-132.

Arne Schirrmacher: North-American World's Fairs and the Re-Invention of the Science Museum in the 1960s, in: Canadelli, Elena/Beretta, Marco/Ronzon, Laura: Behind the Exhibit. Displaying Science and Technology at World's Fairs and Museums in the Twentieth Century, Washington: Smithsonian 2018, S. 158-181.

Zuletzt aktualisiert 2020-01-06 um 20:08