Phantasie an der Macht. Literarische und politische Autorschaft im heutigen Russland

Das Projekt hinterfragt radikal diejenigen diskursiven Zuschreibungen und Dichotomien, die in den literatursoziologischen Untersuchungen in der Regel als selbstverständlich angenommen werden. Dies betrifft vor allem die Grenze zwischen ästhetischer Autorschaft und ideologischer Anonymität sowie zwischen staatskonformer und oppositioneller Kunst in modernen autoritären Regimes am Beispiel des heutigen Russlands. Die so gewonnene Perspektive erlaubt einen besseren Einblick in die Funktions- und Wirkungsweisen der ideologischen Mechanismen und erklärt zugleich die Enttäuschung der Hoffnungen, die bis zuletzt mit der sogenannten "kreativen Protestkultur" verbunden waren. Während man in liberalen Kreisen weiterhin Kreativität und Phantasie als quasi "natürlichen" Ausdruck einer demokratischen Gesinnung feiert, setzen die autoritären Regierungen ebenfalls auf kreative Strategien. Indem ich ideologische Narrative als fiktionale Texte lese, schaffe ich die Basis für das Verständnis einer sehr spezifischen Konstellation, die im heutigen Russland zwischen dem politischen Machtzentrum und den Schriftstellern besteht, die sich um eine unabhängige Position bemühen und doch umso stärker in ein Konkurrenzverhältnis zum Präsidenten als dem erfolgreichsten "Nationalautor" verwickelt werden, was eine implizite Anpassung an das System zur Folge hat.

Projektleitung
Frank, Susanne Prof. Dr. (Details) (Ostslawische Literaturen und Kulturen)

Mittelgeber
Volkswagen-Stiftung (VW)

Laufzeit
Projektstart: 12/2018
Projektende: 11/2019

Forschungsbereiche
Literaturwissenschaft

Zuletzt aktualisiert 2020-01-06 um 19:37