Die Repräsentation der zeitlichen Struktur visueller Ereignisse im Arbeitsgedächtnis und ihre Nutzung für die Fokussierung von Gedächtnisinhalten

Visuelle Ereignisse können durch ihre raum-zeitliche Struktur gekennzeichnet werden, zum Beispiel durch Zeitpunkt und Ort, durch ihre räumliche Verteilung oder ihre Dauer. Die Repräsentation zeitlicher Strukturen ist jedoch noch nicht annähernd so gut geklärt wie die Repräsentation räumlicher Merkmale. In diesem Projekt wollen wir untersuchen, wie die zeitliche Struktur eines abgeschlossenen visuellen Ereignisses im Arbeitsgedächtnis repräsentiert wird, und wie diese Struktur für die Optimierung des kapazitätsbegrenzten visuellen Arbeitsgedächtnisses genutzt werden kann, indem Aufmerksamkeit auf Zeitpunkte beziehungsweise die zugehörigen Repräsentationen gerichtet wird. Spezifische Merkmale der Repräsentation und Nutzung zeitlicher Strukturen sollen mit Hilfe verschiedener Varianten des „Change Detection“ Paradigmas identifiziert werden. Im ersten Teil des Projekts wird geklärt, wie die zeitliche Struktur visueller Ereignisse repräsentiert wird. Zunächst werden wir untersuchen, ob zeitliche Information inzidentell enkodiert wird und zusammen mit räumlicher Information ein Bezugssystem für die Speicherung visueller Reize darstellt. Wir werden darüber hinaus prüfen, ob die Enkodierung in einem solchen raum-zeitlichen Bezugssystem obligatorisch erfolgt, oder ob sie flexibel an spezifische Aufgabenanforderungen angepasst werden kann, nämlich an einen vorhersagbaren Abrufkontext, der Raum, Zeit, oder beides hervorhebt. Zweitens werden wir die metrischen Eigenschaften der repräsentierten räumlichen und zeitlichen Strukturen bestimmen. Im Besonderen werden wir ermitteln, ob die Aufrechterhaltung visueller Repräsentationen durch globale, relationale oder ordinale Transformationen ihrer räumlichen und/oder zeitlichen Koordinaten beeinflusst wird. Im zweiten Teil des Projekts wird untersucht, wie die Repräsentation zeitlicher Strukturen dazu genutzt werden kann, das visuelle Arbeitsgedächtnis zu optimieren, indem relevante Information, definiert durch ihre zeitlichen Koordinaten, priorisiert wird. Eine Experimentalreihe wird prüfen, ob Aufmerksamkeit retrospektiv anhand der zeitlichen Position auf bestimmte Repräsentationen ausgerichtet werden kann, wenn Information über die Bedeutsamkeit bestimmter Zeitpunkte erst nach der Enkodierung verfügbar wird. Eine zweite Experimentalreihe wird untersuchen, ob durch Rhythmen induzierte zeitliche Erwartungen Aufmerksamkeit auf die zeitliche Struktur wahrgenommener und erinnerter visueller Ereignisse ausrichten können.

Sprecher/in
Rolfs, Martin Prof. Dr. (Details) (Allgemeine Psychologie - Aktive Wahrnehmung und Kognition (S))
Heuer, Anna Dr. rer. nat. (Details) (Allgemeine Psychologie - Aktive Wahrnehmung und Kognition (S))

Beteiligte Organisationseinheiten der HU

Mittelgeber
DFG: Sachbeihilfe

Laufzeit
Projektstart: 01/2019
Projektende: 12/2021

Forschungsbereiche
Allgemeine, Biologische und Mathematische Psychologie

Forschungsfelder
Kognition, Visuelle Wahrnehmung

Zuletzt aktualisiert 2020-01-06 um 19:35