Dissens bei Gruppenentscheidungen: Die gegenteiligen Effekte von Sympathie

Teamentwicklungsmaßnahmen werden häufig eingesetzt, um die Beziehungen zwischen den Teammitgliedern zu verbessern. Doch bisher ist unklar, ob sich gegenseitige Sympathie immer positiv auswirkt, z. B. wenn unterschiedliche Meinungen in Gruppen (Dissens) für Entscheidungen nutzbar gemacht werden sollen. Die inkonsistenten Befunde vorhandener Forschung werden mit Hilfe eines Prozessmodells integriert, das auf den Grundannahmen begrenzter kognitiver Kapazität und dem Motiv nach kognitiver Konsistenz basiert. Daraus werden gegenteilige Effekte von Sympathie auf Dissens und Gruppenentscheidungen abgeleitet: Einerseits hemmt Sympathie die Manifestierung von Dissens, weil die Mitglieder Meinungen anderer konsistent zu ihren Bedürfnissen und Erwartungen als ähnlicher zur eigenen Meinung wahrnehmen (Underestimating Dissent) sowie zurückhaltender sind, Dissens explizit zu äußern (Self Censoring). Auf der anderen Seite fördert Sympathie eine differenzierte Wahrnehmung der Meinung anderer (Attending to Opinion). Zudem wird bei manifestem Dissens gegenüber sympathischen Personen stärker argumentiert, um sie zu überzeugen (Persuasion) und ihre abweichende Meinung wird systematischer verarbeitet, weil sie erwartungsinkonsistent ist (Processing Dissent). Das Zusammenspiel dieser Prozesse wurde und wird mit Hilfe von acht Experimenten geprüft, in denen Personen entweder eine dyadische Entscheidung antizipieren oder tatsächlich daran beteiligt sind. Dabei werden die verschiedenen Input- und Prozessvariablen des Modells nacheinander experimentell manipuliert.



Zwei der acht Experimente wurden durch die European Association for Experimental Social Psychology (EAESP) mit 2250 Euro finanziell unterstützt. Für fünf der Experimente wurde eine Sachbeihilfe bei der DFG beantragt.


Projektleitung
Klocke, Ulrich Dr. rer. nat. (Details) (Sozial- und Organisationspsychologie)

Laufzeit
Projektstart: 01/2005
Projektende: 06/2010

Publikationen

Klocke, U. (2007, September 18th). Nicht widersprechen, aber überzeugen?: Wie Sympathie auf Wahrnehmung und Äußerung von Dissens wirkt. Paper presented at the Tagung der Fachgruppe Sozialpsychologie der DGPs, Freiburg, Germany. [Don't disagree, but persuade?: How interpersonal liking influences the perception and expression of dissent]


Klocke, U. (2007, April 25th). Dissent in group decision making: The contrasting effects of interpersonal liking. Paper presented at the Colloquium of the Business and Social Psy-chology Department, Georg-August-Universität Göttingen, Georg-Elias-Müller-Institut für Psychologie.


Klocke, U. (2006, November). Dissent in group decision making: The contrasting effects of interpersonal liking. Paper presented at the Colloquium of the Work & Organizational Psychology Group, Aston Business School, Birmingham UK.


Zuletzt aktualisiert 2020-09-03 um 17:10