Qualitätsdifferenzierte Getreideernte - Trennung des Erntegutstroms nach definierten Qualitätsparametern während des Mähdruschs

Ziel des Vorhabens ist die Trennung des Erntegutstroms nach definierten Qualitätsparametern während des Mähdruschs. Die Online-Bestimmung von qualitätsbestimmenden Inhaltsstoffen, wie Rohprotein- und Stärkegehalt von Lebensmittel-, Futter- und Energiegetreide, soll mittels der bewährten Verfahren der Nah-Infrarot-Spektroskopie (NIRS/NITS) erfolgen. Dabei gilt es bei kontinuierlicher Messung im Gutstrom eine so kurze Nachweiszeit zu erreichen, dass Aktoren zur Gutstromtrennung in Echtzeit gesteuert werden können. Zugehörige Steuerungsalgorithmen sind zu entwickeln. Eine qualitätsdifferenzierte Getreideernte erfordert - neben dem Einsatz geeigneter Sensorik - bauliche Veränderungen am Mähdrescher. Dazu ist eine Vorrichtung zur Aufteilung des Gutstroms in zunächst zwei Fraktionen definierter Qualität sowie ein getrennter Korntank zu entwickeln. Für die getrennte Abbunkerung, den Transport, die Vermarktung und die zugehörigen Informationsprozesse ist ein logistisches Konzept zu entwerfen. In Verbindung mit einem geeigneten Probenahmesystem kann damit die Voraussetzung für Qualitätssicherung und Rückverfolgbarkeit der Gutströme von Nahrungs-, Futter- und Energiegetreide entstehen.
Landwirtschaftliche Nutzflächen sind in ihrer Beschaffenheit überwiegend heterogen. Es treten kleinräumige Teilflächen auf, die sich in Bodenart, Mikroklima, Nährstoff-, Licht- und Wasserangebot unterscheiden. Erwiesenermaßen zeigen daher Getreidebestände, in Abhängigkeit von Standort und Bestandesführung, mehr oder weniger ausgeprägte, erlösrelevante Qualitätsunterschiede im Erntegut. Das Verfahren der qualitätsdifferenzierten Getreideernte kann auf die gegebene Standort- und somit Bestandesheterogenität eingehen und somit einen Beitrag zur Verbesserung der Effizienz der Stickstoff-Düngung leisten. Dies entspricht den gestiegenen Anforderungen des Umweltschutzes in landwirtschaftlichen Produktionsprozessen.

Beschleunigt durch entsprechende EU-Rechtsvorschriften wird Qualität zum wichtigen Merkmal landwirtschaftlicher Produkte und Produktionsprozesse. Aufgrund der Möglichkeit, Qualitätsparameter im Erntegut zu erfassen und eine Gutstromtrennung nach Stoffeigenschaften durchzuführen, ist die qualitätsdifferenzierte Getreideernte im Rahmen eines Qualitätssicherungssystems geeignet, der Forderung nach einer transparenten Lebens- und Futtermittelproduktion zu entsprechen. Gleichzeitig eröffnet sich damit eine Möglichkeit zur Rückverfolgbarkeit und Dokumentation des Produktionsprozesses von Nahrungs-, Futter- und Energiegetreide.

Projektleitung
Hahn, Jürgen Prof. Dr. agr. (Details) (Fachgebiet Biosystemtechnik)

Mittelgeber
Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft

Laufzeit
Projektstart: 12/2007
Projektende: 02/2010

Zuletzt aktualisiert 2020-09-03 um 17:08