Der Gelehrte als Krieger. Ideengeschichte, Neue Linke und das OSS

Das Vorhaben rekonstruiert eine intellektuelle Kommunikationsgemeinschaft von amerikanischen und aus Deutschland emigrierten Gelehrten und Intellektuellen, die sich im Zweiten Weltkrieg im US-Geheimdienst OSS begegnet waren. Diese Gruppe, zu der etwa Norman O. Brown, H. Stuart Hughes, Herbert Marcuse, Hans Meyerhoff, Franz L. Neumann und Carl E. Schorske zählten, inspirierte Friedensbewegung, Neue Linke und studentischen Protest der sechziger Jahre. Nachdem diese Gelehrten und Intellektuellen in der Nachkriegszeit noch Einfluss auf die amerikanische Außenpolitik zu nehmen gehofft hatten, prägten sie zunehmend eine neue Ideengeschichte Deutschlands, die das intellektuelle Erbe der Emigranten in die politische Kultur Amerikas überführte. Auffällig ist dabei die wechselseitige Bedingung des Politischen und des Theoretischen: Geistesgeschichte wurde im Doppelschatten von Auschwitz und Hiroshima unter einem politisch-ethischen Imperativ neu begründet. Ideen und Theorie, verstanden als sozial vermittelte Kräfte der Katastrophe wie der Kritik, galten der Gruppe als Medium, die deutschen und modernen Pathologien zu begreifen. Gerade aus der professionellen Haltung des Ideenhistorikers oder Gesellschaftstheoretikers resultierte notwendig politisch-intellektuelles Engagement.



Dieses Projekt stützt sich auf die philosophischen, historiographischen und soziologischen Schriften der Protagonisten ebenso wie auf ihre politischen Texte und die in deren Nachlässen zugänglichen Korrespondenzen sowie auf die Akten von Stiftungen und des Geheimdienstes. Dieser Ansatz setzt die intellektuellen Emigranten und die Linksintellektuellen in den USA in einen zu wenig berücksichtigten gemeinsamen Kontext. Dadurch verschieben sich die Grenzen intellektueller Vergemeinschaftung, denn die Emigranten sind nicht außerhalb des amerikanischen Umfelds und die amerikanischen Gelehrten-Intellektuellen nicht ohne die Wirkung der Emigranten zu verstehen. Der Blick auf diesen Intellektuellenkreis versucht dazu beizutragen, einige grundlegende Koordinaten der Intellektuellengeschichte im Zeitalter der Extreme genauer zu bestimmen.


Projektleitung
Hardtwig, Wolfgang Prof. Dr. phil. (Details) (Neuere Geschichte)

Mittelgeber
DFG: Sachbeihilfe

Laufzeit
Projektstart: 07/2007
Projektende: 03/2011

Forschungsfelder
Emigration, Friedensbewegung, Herbert Marcuse, Intellektuellengeschichte, Kulturgeschichte, Neue Linke, Office of Strategic Services (OSS), Zweiter Weltkrieg, Kalter Krieg, Vietnamkrieg

Zuletzt aktualisiert 2020-09-03 um 17:05