Das universale Papsttum und die europäischen Regionen im Hochmittelalter

Das wissenschaftliche Netzwerk stellt die entscheidende Formierungsphase der lateinischen Kirche im hohen Mittelalter in den Mittelpunkt. Beginnend mit der Kirchenreform um 1050, gelang es den römischen Bischöfen in anderthalb Jahrhunderten, ihr Amt aus seiner regionalen Begrenzung hinauszuführen und einen umfassenden Führungsanspruch zu etablieren. Die Forschung hat diese Entwicklung meist der Tatkraft der Päpste zugeschrieben. Die Mittel der Zentralisierung Legaten, Gerichtsbarkeit u. ä. wurden dabei benannt und teilweise im regionalen Kontext erforscht. Fast gänzlich unbeachtet blieb indessen die Frage nach der konkreten Durchsetzung dieses universalen Führungsanspruchs. Hier setzt das vorliegende Projekt an. Es begreift die hierarchische Ausrichtung der lateinischen Kirche auf den römischen Bischof im Untersuchungszeitraum als vielgestaltige Interaktion zwischen dem Papsttum und den Regionen, als kommunikativen Prozess, in dessen Verlauf römischer Anspruch und regionale Eigenheiten aufeinander trafen. Die Ergebnisse der von Rom forcierten Homogenisierung konnten in Süditalien anders ausfallen als in Frankreich, sich in Norditalien von denjenigen in Polen unterscheiden. Aus diesem Grunde werden in der Arbeit des Netzwerks konsequent zwei Perspektiven verfolgt und zueinander in Beziehung gesetzt: die der römischen Zentrale und die einzelner Regionen, bei deren Auswahl auf unterschiedliche strukturelle Bedingungen geachtet wurde. Die Kombination der beiden Blickrichtungen und der Vergleich der Regionen untereinander soll es am Ende ermöglichen, erstmals ein differenziertes Bild vom Werden einer universalen, auf Rom ausgerichteten Kirche im mittelalterlichen Europa zu entwerfen.

Projektleitung
Müller, Harald Dr. phil. (Details) (Mittelalterliche Geschichte II)

Mittelgeber
DFG: Sachbeihilfe

Laufzeit
Projektstart: 03/2007
Projektende: 03/2009

Publikationen
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Zuletzt aktualisiert 2020-09-03 um 17:03