FG 391: Bild-Schrift-Zahl - Teilprojekt: Repräsentation als Kulturtechnik. Analyse der historischen Repräsentationsformung unter der Prämisse des Bildes.

Repräsentation ist trotz aller historischen Veränderungen ihrer Formen und ihrer theoretischen Begründungen ein markanter Bestandteil des kommunikativen Gefüges und dessen Hierarchisierung geblieben. Die Aufklärung konnte den Begriff zwar einer kritischen Betrachtung unterziehen, aber auch sie hat ihn nicht grundlegend in Frage gestellt, und dasselbe gilt für Versuche des zwanzigsten Jahrhundert, ihn durch linguistisch und diskurstheoretisch bestimmte Theorien gleichsam zu unterlaufen oder auch zu diskreditieren. Die immer noch von einem negativen Grundverständnis ausgehende Deutung als einer Überzeugungsstrategie hat die Analyse des Begriffs nicht befördert. Das Projekt versucht einen anderen Weg zu beschreiten, indem es Repräsentation auf ihre Funktion als eine bildtheoretisch definierte Kulturtechnik fokussiert, bei der die konstruktiven Möglichkeiten im Zentrum stehen sollen, um das Bild in seinem produktiven Dualismus deuten zu können. Denn es war sowohl Trägermedium, als auch Denkanleitung, die es ermöglichte, die Repräsentation zu strukturieren und in der Ausgestaltung einer Kulturtechnik zu etablieren. In ihrem Wechselspiel von höchst variablen Repräsentationsformen und einer entsprechend kontroversen und grundsätzlich geführten Diskussionen bietet die Frühe Neuzeit ein unausgeschöpftes Reservoir. Insbesondere die Diskrepanz zwischen den "Mysterien" eines souveränen Herrschaftssystems und Erkenntnissen der Naturwissenschaften konnte im Bild ausgedrückt und stabilisiert werden. Besonders seine ikonischen Qualitäten, die im produktiven Dilemma der annähernden aber nie zu vollendenden Beschreibung begründet liegen, bergen einen grundlegenden Aspekt der Repräsentation in sich, der für die Geschichte der Kunst noch zu deuten ist.

Projektleitung
Bredekamp, Horst Prof. Dr. phil. (Details) (Forschergruppen)

Mittelgeber
DFG: Forschergruppen

Laufzeit
Projektstart: 04/2006
Projektende: 03/2007

Zuletzt aktualisiert 2020-09-03 um 23:15