Die Inszenierung des Rechts - Schauprozesse, Medienprozesse und Prozessfilme in der DDR

Nach dem Zusammenbruch des Sowjetblocks wurde das Phänomen kommunistischer Schauprozesse vor allem unter politischen und herrschaftsgeschichtlichen Fragestellungen untersucht. Das geplante Projekt will an geleistete Vorarbeiten aus dem Bereich der DDR- und Kommunismusforschung anknüpfen, zielt aber gleichzeitig thematisch wie methodisch darüber hinaus. Inszenierung und Medialisierung des DDR-Rechts sollen erstmals in einem interdisziplinären Austausch zwischen Historikern, Juristen und Kommunikationswissenschaftlern diskutiert und dabei in einem größeren Entwicklungszusammenhang betrachtet werden. Im Mittelpunkt der Diskussion werden Fragen nach längerfristigen Traditionsbezügen und transnationalen Wechselwirkungen sowie nach den Auswirkungen massenmedialer Entwicklungsprozesse auf die Rechtskommunikation in der DDR stehen. Es wird nicht nur um eine nähere Auseinandersetzung mit Besonderheiten und Folgewirkungen des DDR-Justizwesens gehen; vielmehr werden auch Themen von übergeordneter gesellschaftspolitischer Relevanz aufgegriffen werden. Dazu gehören beispielsweise die Frage, ob es Schauprozesse in ihrer idealtypischen Form nur in Diktaturen geben kann, und das Problem, wo die Grenze zur rechtlich nicht mehr hinnehmbaren Verfahrensinszenierung liegt, also: was einen Prozess zum Schauprozess macht. Während die fachwissenschaftlichen Ergebnisse des Kolloquiums in einem Tagungsband präsentiert werden, dient die geplante Ausstellung dazu, das Thema einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

Projektleitung
Marxen, Klaus Prof. i. R. Dr. (Details) (Strafrecht / Strafprozessrecht und Rechtsphilosophie)

Mittelgeber
Sonstige Stiftungen

Laufzeit
Projektstart: 01/2005
Projektende: 12/2006

Zuletzt aktualisiert 2020-09-03 um 23:06

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