Biogeographie an der Sundaland-Wallacea-Grenze: Testen von Hypothesen an Süßwassergarnelen

Das Gebiet des Sundaschelfs mit seinen großen Inseln, auch Sundaland genannt, und die Wallacea, einer Region ozeanischer Insel zwischen zwei Kontinentalschelfen, werden als Hotspots der Biodiversität betrachtet. Beide liegen in einer geologisch sehr aktiven Region und sind durch Tiefwasserkanäle voneinander getrennt. Ihre Fauna zeigt komplexe biogeographische Muster, die trotz langer Forschungsaktivitäten noch nicht vollständig verstanden sind. Die Inseln innerhalb der Sundaregion waren einst mit dem asiatischen Festland verbunden, als der Sundaschelf während der letzten Vereisungen weitgehend exponiert war und deren Fauna auch heutzutage noch viele Komponenten des Festlands aufweist. In Gegensatz dazu besaßen die Inseln der Wallacea niemals eine derartige Landverbindung, und ihre Fauna ist charakteristischerweise auf höherem Taxonniveau verarmt bzw. hauptsächlich endemisch. Ungeachtet gängiger biogeographischer Trennlinien weisen eigene Vorarbeiten auf der indonesischen Insel Sulawesi (Wallacea) darauf hin, dass die endemischen Süßwassergarnelen der Insel durch ein Vikarianzereignis aus asiatischen Vertretern hervorgegangen sind. Anhand der Süßwassergarnelengattung Caridina, die zwei Reproduktionsstrategien verfolgt, die schlechte bzw. gute Verbreitungsmöglichkeiten bedingen und die Gattung daher zu einem guten Modellorganismus für biogeographische Fragestellungen macht, sollen in diesem Projekt die Kolonisierungsmuster verschiedener Gebiete in Sundaland und der Wallacea durch reine Süßwasserarten untersucht und Vikarianz- gegenüber Dispersal-Hypothesen getestet werden, insbesondere auf Sulawesi und den Philippinen. Dies soll über die Rekonstruktion einer auf mehreren genetischen Markern basierende molekulare Phylogenie sowie durch Anwendung einer molekularer Uhr durchgeführt werden. Dieses Projekt soll dazu beitragen, in der Geburtsregion der Biogeographie durch das rigorose Testen biogeographischer Hypothesen ein besseres Verständnis der historischen Prozesse zu erlangen, die zur heutigen Vielfalt und ihrer räumlichen Verteilung geführt haben.

Projektleitung
Rintelen, Kristina von Dr. (Details) (Molekulargenetik)

Mittelgeber
DFG: Sachbeihilfe

Laufzeit
Projektstart: 08/2009
Projektende: 07/2012

Zuletzt aktualisiert 2020-13-03 um 23:06