Religiöse Machtlegitimierung des Augustus im Spiegelbild von Ovids Fasti

Im Projekt werden literarische Bilder augusteischer Religion in Ovids Fasti vor dem Hintergrund des historischen Wandels der Religion analysiert. Die augusteische Erneuerung der Rituale wird untersucht, um herauszuarbeiten, ob Augustus' Restauration aufgrund des tatsächlichen Religionsverfalls stattfand oder ob der Prinzeps durch die religiöse Restauration seine politische Macht und Sonderstellung durch Verweis auf seine Priorität in der Kommunikation mit den Göttern legitimierte. Ein wichtiges Medium der religiösen Selbstdarstellung des Augustus waren öffentlich inszenierte Rituale; in dieser symbolischen Kommunikation mit den Göttern und den römischen Bürgern war der Prinzeps stets bemüht, positiven Einfluss auf die öffentliche Meinung zu nehmen und seine Person als von den Göttern für seine politisch herausragende Rolle auserwählt darzustellen. Augustus' Performanz der neuen oder erweiterten traditionellen Rituale und Feste wirkte sich auf die Literatur aus und regte die literarischen Ritualschilderungen und die aitiologischen Erläuterungen durch Rekurs auf die mythisch-historische Vergangenheit in der augusteischen Literatur an.


Im Mittelpunkt des Projektes werden die literarischen Darstellungen von den Ritualaufführungen des Augustus stehen. Somit wird eine Neubewertung der augusteischen Religion angestrebt, in der die theatralisch inszenierten Rituale zusammen mit ihren Aitiologien als zwei bedeutende Medien der religiösen Herrscherlegitimierung fungieren. Darüber hinaus werden die religiös konnotierten Zeichen (prodigia, mirabilia) und Legenden (Gottesnähe und Gottesbeistand) als eine weitere Dimension der religiösen Legitimierung der Sonderposition des Prinzeps untersucht. Es wird herausgearbeitet, wie Ovid in den Fasti die verschiedenen Strategien von Augustus' religiöser Herrschaftslegitimierung poetisch beschreibt, indem er über die augusteischen Diskurse über Gottesnähe, göttlichen Beistand, göttliche Vorzeichen, religiöse Tradition, Religionskritik, neue Feste, Rituale, Tempel und Gottheiten reflektiert.

Ziel ist es, durch eine Verbindung von religions- und literaturwissen¬schaftlicher Methodik die religiöse Machtsicherung des Augustus im Spiegelbild von Ovids Fasti zu analysieren. Es werden systematisch die religiösen Leitmotive in den Fasti herausgearbeitet und ihre Bezüge zu den traditionellen und augusteischen Festen beleuchtet. Dabei werden sowohl die Prätexte von Ovids Fasti als auch spätere Texte verschiedener literarischer Gattungen (Historiographie, antiquarische Literatur, Biographie), in denen Augustus' religiöse Selbstdarstellung thematisiert wird, herangezogen, um herauszuarbeiten, wie die individuellen Perspektiven einzelner antiker Autoren, die Gattungskonventionen und narratologischen Zusammenhänge das Bild von Augustus' Religion prägen und modifizieren.

Projektleitung
Sterbenc Erker, Darja PD Dr. (Details) (Latinistik)

Mittelgeber
DFG: Eigene Stelle (Sachbeihilfe)

Laufzeit
Projektstart: 06/2014
Projektende: 05/2019

Forschungsbereiche
Literaturwissenschaft, Religionswissenschaft und Judaistik

Forschungsfelder
Gesellschaftsgeschichte der Antike, Religionssoziologie

Publikationen
2019. „The cultural memory of Servius Tullius and Fortuna“ in: Martin Dinter, Charles Guérin, Marcos Martinho (Hg.) Republican and Augustan Cultural Memory, (zur Publikation angenommen).

2019. „Narrations on epiphany and deification: The case of Romulus’ deification“, in: C. Pimentel, R. Furtado, N. S. Rodrigues, A. Lóio (Hg.), Saeculum Augustum. New approaches to the Age of Augustus on the bimillennium of his death, Georg Olms, 119-145 (im Druck).

2019. “Livias Ausgestaltung religiöser Handlungsfelder“, in: Elena Köstner, Aliyah El Mansy, Christian Urs Wohl (Hg.) Frauen in Kulten der römischen Kaiserzeit. Fallstudien zu Interdependenz und Gender, Reihe Pietas, Gutenberg, 59-78.

2018. „Augustus’ “New” Festival: The Centrality of Married Women’s Rituals at the Ludi Saeculares of 17 B.C.E.“, Numen. International Review for the History of religions 65, 4, 377-404.

2017. „Das Theophiliemotiv in Properz 4, 6 als Modell für Ovids Fasti“, Paideia, rivista di filologia, ermeneutica e critica letteraria 72, 2017, 331-361.

2016. „Les pratiques religieuses des matrones dans la Rome ancienne: les Jeux séculaires sous Auguste et sous Septime Sévère“, in: Bassir Amiri (Hg.) Religion sous contrôle. Pratiques et expériences religieuses de la marge?, Besançon, 2016, 97-115.

2015. „Frauenbilder in der Religionsgeschichte: der Fall der ludi saeculares“, in: D. Šterbenc Erker (Hg.): Frauenbild im Wandel, Gender Studies in den Altertumswissenschaften (Iphis 7), WV Trier, Trier, 119-139.

2014. „Der Religionsstifter Numa im Gespräch mit Jupiter: Menschenbild in der römischen Religion“, in: U. Mittmann, B. Ego (Hg.) Das Böse und der Tod als Frage diesseitiger und jenseitiger Existenz. Aspekte des Menschenbildes in der alttestamentlich-jüdischen, frühchristlichen und griechisch-römischen Literatur, Berlin, New York, 335-353.

Zuletzt aktualisiert 2020-15-03 um 23:07