Gegeißelte Musen? Komponisten in der Stalin-Zeit, 1932-1953

Kaum ein Komponist der Stalin-Zeit fand durch das Regime seinen Tod. Wie ist diese Ausnahme zu erklären? Das geplante Vorhaben will Leben und Schaffen bekannter und vergessener Komponisten im Spiegel der stalinistischen Kulturpolitik und Ideologie untersuchen. Dem Forschungsprojekt liegt die Hypothese zugrunde, dass die Steuerung der Musik durch den stalinistischen Machtapparat und deren Auswirkung aud die einzelnen Komponisten deutlich weniger kohärent ausfiel als im Fall der Bildenden Kunst oder der Literatur. Eine mögliche Ursache hierfür ist die spezifische Sprache der Musik: Chiffriert durch Töne agiert sie auf einer abstrakten Ebene, die nicht-visuell und subjektiv-emotional rezipiert wird. Durch diesen Umstand ist es schwerer als bei anderen Kunstformen, Musik zu instrumentalisieren. Obwohl die stalinistische Kulturbürokratie mit der Schaffung zentraler Kunstverbände und ideologischer Kampagnen in allen Kulturbereichen ähnliche Machtmechanismen installierte, um auf dieser Weise umfassende Kontrolle über die Kunstproduktion zu erreichen, spielte die Musik - eine Sonderrole im sowjetischen Kulturbetrieb. Durch die Auseinandersetzung mit den individuellen Erfahrungsräumen der Musikschaffenden intendiert das Vorhaben eine differenziertere Perspektive auf die Funktionsweise einer der großen modernen Diktaturen.

Projektleitung
Baberowski, Jörg Prof. Dr. (Details) (Geschichte Osteuropas)

Mittelgeber
DFG: Sachbeihilfe

Laufzeit
Projektstart: 10/2015
Projektende: 05/2020

Zuletzt aktualisiert 2020-15-06 um 12:40