Dysphoric affect as a function of cognitive biases and inhibitory control in remitted MDD

Unipolare Depression ist eine verbreitete psychische Erkrankung, die in ihrer häufigsten Ausprägungsform einen chronisch-episodenhaften Verlauf annimmt. Da mindestens 50% der Betroffenen nach einer ersten depressiven Erkrankungsphase weitere Krankheitsepisoden erleiden (Solomon et al., 2000), kommt der Rückfallvermeidung sowohl auf individueller als auch volkswirtschaftlicher Ebene größte Bedeutung zu (Kessler et al., 2009). Zu den robusten Korrelaten depressiven Affekts gehören Veränderungen der automatischen Verarbeitung emotional valenten Stimulusmaterials im Sinne einer Favorisierung negativer Information. Sog. kognitive Biases sind vorwiegend innerhalb der ersten 500 – 1000 ms nach Präsentation visueller Stimuli beobachtbar, und zeigen sich in den Modalitäten Aufmerksamkeit (attentional bias), Interpretationstendenzen (interpretation bias) und Erinnerungsabruf (memory bias) (vgl. Gotlib & Joormann, 2010). Jüngere Arbeiten legen nahe, dass Veränderungen in der automatischen Verarbeitung emotionaler Reize auch bei genesenen Patienten nach Remission einer depressiven Episode fortbestehen (z.B. Gupta & Kar, 2012; Zvielli et al., 2016). In Analogstichproben konnte auf der Ebene prospektiver Befragungen gezeigt werden, dass spätere depressive Symptomatik durch das Ausmaß dieser spezifischen Veränderungen der Reizverarbeitung prädiziert wird (z.B. Beevers & Carver, 2003; Everaert, Jonas et al., 2015). Jedoch sind die vermittelnden kognitiven Mechanismen, die im Erkrankungsverlauf zur (Wieder-)Ausprägung depressiver Symptomatik führen, bisher nicht ausreichend verstanden, und es existieren sehr wenige Arbeiten, die diese Prozesse an größeren Personengruppen mit klinisch auffälliger Symptomatik untersuchen. Diese Forschungslücke soll im skizzierten Projekt bearbeitet werden: Personen, die in der Vergangenheit bereits eine depressive Episode erlebt haben, derzeit aber symptomfrei sind, sollen in einem experimentellen Studiendesign hinsichtlich ihrer fortbestehenden Veränderungen bei der Verarbeitung emotionaler Reize in den Modalitäten Aufmerksamkeit, Interpretationstendenzen und Erinnerungsabruf untersucht werden (Erfassung von Augenbewegungen mittels Eyetracking, Reaktionszeitmessung). Im zweiten Schritt soll die emotionale und physiologische Stressreaktion (Veränderungen der Herzfrequenz, subjektive Ratings) auf eine anstrengende und frustrierende Situation im Labor in Abhängigkeit der zuvor erhobenen Merkmale erfasst werden. Damit soll die Prädiktionshypothese geprüft werden, dass Remittierte, die ausgeprägte Veränderungen in frühen Stadien der Reizverarbeitung aufweisen, situativ stärkere Beeinträchtigung durch auftretende Belastungssituationen erfahren. Dieses Vorhaben ist in die übergeordnete Zielsetzung eingebettet, automatische (d.h. früh in der Reizverarbeitung ablaufende) kognitive Risikofaktoren für depressive Rückfälle durch computergestützte Trainings gezielt zu verändern (sog. Cognitive Bias Modification). Vorteile eines solchen Vorgehens liegen in den erweiterten Zugangswegen für Betroffene zu indizierter Behandlung (ergänzend beispielsweise zum Zugang zu Psychotherapieplätzen), der aktiven Rückfallvorbeugung auf Verhaltensebene (z.B. ergänzend zur pharmakologischen Rückfallprophylaxe), und der Einbindung eines bisher nahezu ungenutzten Wirkfaktors in die antidepressive Therapie.

Projektleitung
von Koch, Lara (Details) (Klinische Psychologie)
Kathmann, Norbert Prof. Dr. rer. nat. (Details) (Klinische Psychologie)

Beteiligte Organisationseinheiten der HU
Klinische Psychologie (OKZ: 211323)

Mittelgeber
Sonstige Stiftungen

Laufzeit
Projektstart: 05/2017
Projektende: 04/2020

Forschungsbereiche
Differentielle Psychologie, Klinische Psychologie, Medizinische Psychologie, Methoden

Zuletzt aktualisiert 2020-19-11 um 12:25