Politiken der Anerkennung: Filmische Erinnerungen an Holocaust und Porajmos in Rumänien und der Republik Moldau nach 1990 aus vergleichender Perspektive

Im Zentrum des Forschungsprojekts stehen Filmproduktionen aus der Zeit nach 1989/90, die die Verfolgung und Vernichtung von Juden (Holocaust) und Roma (Porajmos) in Rumänien und der Republik Moldau thematisieren. In beiden Ländern stellen die Erinnerung an die Verschleppung und Ermordung von Juden und Roma in der Zeit des Faschismus und des 2. Weltkriegs umkämpfte geschichtspolitische Felder dar, die eng verbunden sind mit gegenwärtigen Politiken der Anerkennung dieser Minderheiten in den beiden Gesellschaften. Diese Konflikte sollen über Filme mittels zweier Forschungsperspektiven erschlossen werden: Erstens werden die Filme selbst in Hinblick auf verwendete narrative Strukturen und ikonographische Muster untersucht. Mit Hilfe einer intersektionalen Perspektive soll dabei die Verbindung von Geschlecht, Ethnizität, Religion und anderen sozial wirksamen Differenzkategorien bei der Herstellung von filmischen Vergangenheitserzählungen entschlüsselt werden. Zweitens werden Produktion und Rezeption der Filme als Knotenpunkte in gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen um die gesellschaftliche Anerkennung und den sozialen Ort von Juden und Roma in den beiden Gesellschaften betrachtet. Mit Hilfe ethnographischer Methoden sollen in diesen geschichtspolitischen Auseinandersetzungen agierende Akteur/innen und Akteursgruppen in den Blick genommen werden. Ein besonderer Fokus liegt auf der Frage, welche Rolle Filme in dem Kampf um Anerkennung spielen. In der Forschung werden unterschiedliche Vergleichs- und Transferanalysen angestrebt: Zum einen werden Filmproduktionen über Holocaust und Porajmos zueinander in Beziehung gesetzt; zum anderen wird die Entwicklung in Rumänien und der Republik Moldau in ihren jeweiligen Spezifika und Wechselwirkungen betrachtet. Ziel des Forschungsprojekts ist es, einerseits eine dichte Beschreibung der Refiguration nationaler Selbstbilder und gesellschaftlicher Selbstverständnisse in Rumänien und der Republik Moldau mit Blick auf Minderheitenpolitiken zu liefern. Dafür soll auf theoretischer Ebene der Zusammenhang von Film und Erinnerung aus einer akteurszentrierten und an Praktiken orientierten Perspektive der Europäischen Ethnologie genauer bestimmt werden.

Sprecher/in
Binder, Beate Prof. Dr. (Details) (Geschlechterstudien und Europäische Ethnologie)

Mittelgeber
DFG: Sachbeihilfe

Laufzeit
Projektstart: 04/2014
Projektende: 09/2021

Forschungsbereiche
Ethnologie und Europäische Ethnologie

Zuletzt aktualisiert 2020-25-08 um 16:17