Individuelle Vermögensbildung in Paarbeziehungen: Persönliche Ressourcen und genderspezifische Ungleichheiten in Paarhaushalten

Dieses Projekt untersucht den Besitz von individuellem Vermögen in Paarhaushalten. Das Vermögen ist eine ökonomische Ressource, die ihrem Besitzer viele Vorteile bietet, die durch Einkommen alleine nicht erreichbar sind. Vermögen ist somit ein wichtiger und eigenständiger Aspekt von sozialer Ungleichheit. Dabei ist vor allem individuelles Vermögen - in Abgrenzung zum Haushaltsvermögen - in Zeiten von instabilen Paarbeziehungen und sich verändernden Wohlfahrtsstaaten zur ökonomischen Absicherung im Lebenslauf zunehmend bedeutsam. Die bisherige Forschung hat zwar gezeigt, dass Frauen im Vergleich zu Männern in heterosexuellen Paarbeziehungen oft weniger individuelles Vermögen besitzen. Wie diese Ungleichheiten entstehen, bleibt aber weitgehend unklar. Deshalb wird im vorliegenden Forschungsvorhaben der Frage nachgegangen, was die individuelle Vermögensbildung und Vermögensungleichheiten in Paarbeziehungen bedingt. Durch die Beantwortung dieser Frage wird erstens ein besseres Verständnis der genderspezifischen Wirkung von Paarbeziehungen auf die Vermögensbildung gewonnen. Zweitens wird das Wissen über die Entstehung von ökonomischen Ungleichheiten bei Paaren erweitert. Drittens werden kontextuelle Einflussfaktoren der individuellen Vermögensbildung aufgedeckt. Das Projekt nutzt dazu Theorien der Ressourcenverteilung in Paarhaushalten und kombiniert diese mit einer Lebenslaufperspektive. Es wird dabei angenommen, dass bekannte Prozesse der Vermögensbildung auf der Haushaltsebene unzureichend untersuchte und ungleiche Auswirkungen auf das individuelle Vermögen von Frauen und Männern haben. Zudem wird angenommen, dass diese Prozesse sich in verschiedenen Ländern unterscheiden, z.B. aufgrund spezifischer Steuergesetzgebung. Diese Annahmen werden überprüft, indem die Dynamiken individueller Vermögensbildung in Paarbeziehungen in verschiedenen Ländern aus unterschiedlichen Perspektiven untersucht werden. Dazu werden quantitative, sekundäre Längsschnittdaten aus Australien, Deutschland, Großbritannien und den USA genutzt. Diese Daten werden durch empirische Wachstums- und Veränderungsmodelle sowie mit Modellen, die biographische Komplexität abbilden können, analysiert. Diese Analysen werden durch Faktorielle-Survey-Experimente ergänzt, in denen subjektive Einstellungen zu individuellem Vermögen in Paaren in allen vier Ländern gemessen werden. Diese Primärdaten werden mit Mehrebenenmodellen ausgewertet. Die Zusammenführung der Ergebnisse aus beiden Analyseteilen ermöglicht eine umfassende Beantwortung der Forschungsfrage. So kann das Entstehen von bedeutsamen, ungleichen Lebenschancen von Frauen und Männern aufgrund ihres Vermögens erklärt werden.

Projektleitung
Lersch, Philipp Martin Prof. Dr. (Details) (Soziologie der Sozialpolitik (S))

Mittelgeber
DFG: Nachwuchsgruppe

Laufzeit
Projektstart: 03/2017
Projektende: 03/2020

Forschungsbereiche
Empirische Sozialforschung

Forschungsfelder
Gender Studies, soziale Ungleichheit, Soziologie der Familie und Paarbeziehungen

Zuletzt aktualisiert 2019-08-07 um 15:01