CALLIDUS - Computer-Aided Language Learning: Lexikonerwerb im Lateinunterricht durch korpusgestützte Methoden

Welchen Nutzen bringen korpusbasierte Methoden zum Lexikonerwerb, wie sie im modernen Fremdsprachenunterricht eingesetzt werden, für den Unterricht des Lateinischen? Im Callidus-Projekt soll diese Frage mit einer kontrollierten Interventionsstudie untersucht werden. Dazu werden Ressourcen, die in anderen Projekten für ganz andere Forschungsfragen entwickelt wurden, wiederverwendet, weiterentwickelt und an eine neue Fragestellung angepasst. Um dies zu ermöglichen, arbeiten Forscherinnen und Forscher aus der Lateindidaktik, der Linguistik, der Korpuslinguistik und der Informatik zusammen. Wegen des hohen Grades an Polysemie, der semantischen Vernetzung von Wörtern (und Mehrwortausdrücken) und der Verbindung von lexikalischem Material mit grammatischen Strukturen ist der Lexikonerwerb in einer Fremdsprache komplex und muss deutlich über das Lernen von Wortgleichungen hinausgehen. Es ist sinnvoll, wenn lexikalische Einheiten in möglichst vielen Kontexten präsentiert werden. Mit korpusbasierten Methoden können Lehrer und Lehrerinnen ad hoc die nötigen Materialien (Beispiele, Übungen unterschiedlicher Art) für den Unterricht erzeugen und dadurch die Lehrwerke ergänzen. Damit dies möglich wird, müssen die genutzten Korpora auf mehreren Ebenen annotiert (mit grammatischen und lexikalischen Informationen versehen) sein und es muss mächtige Suchmöglichkeiten über alle Ebenen hinweg geben. Außerdem müssen Aufgabentypen zur Verfügung stehen, die flexibel mit unterschiedlichem lexikalischem und grammatischem Material ergänzt werden können. Die nach den Grundsätzen des Design-Based-Research gestaltete Interventionsstudie wird in vier Durchläufen in mehreren 10. Klassen (mit Beginn der Lektürephase) an verschiedenen Berliner und Münchner Gymnasien durchgeführt. Hierbei wird eine Kontrollgruppe, die mit herkömmlichen Materialien lernt, mit einer Gruppe verglichen, die korpusbasierte Materialien erhält. Dazu werden Korpora des klassischen Latein genutzt, die im LangBank-Projekt (http://sfs.uni-tuebingen.de/langbank) für linguistische Forschungsfragen mit Wort-arten, morphologischen Informationen und Dependenzsyntax annotiert wurden. Diese müs-sen um lehrplanspezifische Informationen und Bedeutungsrelationen ergänzt werden. Die mit Hilfe des Korpus generierten Übungen werden in der Lernplattform Moodle präsentiert, in der neben den Informationen zu der Interventionsstudie (Testmaterialien, Scores) auch die Kommunikation innerhalb der Nutzergruppen stattfindet. Die Korpora liegen in einem Repositorium vor (LAUDATIO, http://www.laudatio-repository.org/repository/). Im Repositorium können nach Metadaten gefiltert bestimmte Texte ausgewählt werden. Diese werden mit dem mächtigen Mehrebenensuchwerkzeug ANNIS mit Hilfe seiner domänenspezifischen Sprache von AQL durchsucht (http://corpus-tools.org/annis). Im Projekt wird eine Komponente entwickelt (Machina Callida), die nicht nur die Korpusabfragesprache AQL erweitert, sondern auch die Verbindung zum Moodle-System herstellt. Dort werden dann Aufgabentypen mit dem jeweils benötigten Material dargestellt und verwaltet. Dabei werden die in Moodle vorhandenen Aufgaben- und Kommunikationsmöglichkeiten genutzt.

Projektleitung
Lüdeling, Anke Prof. Dr. phil. (Details) (Sprachwissenschaft des Deutschen / Korpuslinguistik/Morphologie)
Dreyer, Malte (Details) (Direktor(in) / Sekretariat)
Kipf, Stefan Prof. Dr. (Details) (Fachdidaktik Latein und Altgriechisch)

Mittelgeber
DFG: Sachbeihilfe

Laufzeit
Projektstart: 08/2017
Projektende: 12/2020

Zuletzt aktualisiert 2020-13-06 um 00:05