Charakterisierung phonemischer Ziele durch Untersuchung des Adaptionsverhaltens von Sprechern während einer artikulatorischen und akustischen Perturbation

Das Projekt beschäftigt sich mit dem Lautbild, welches ein Sprecher hat, wenn er einen Laut produzieren möchte (=Phonemrepräsentation). Dazu gibt es die folgenden zwei konkurrierunden Ansätze: Der artikulatorische Ansatz geht davon aus, dass Phonemrepräsentationen artikulatorisch sind, der Sprecher also eine bestimmte artikulatorische Konfiguration produzieren möchte und der Hörer versucht, dem akustischen Signal diese artikulatorische Information zu entnehmen. Der akustische Ansatz geht davon aus, dass der Sprecher ein bestimmtes akustisches Resultat produzieren möchte und der Hörer dieses akustische Resultat direkt interpretiert ohne Rückschluss auf die Artikulation. Zur weiteren Untersuchung der Eigenschaften der Phonemrepräsentationen nutzt das hier vorgeschlagene Projekt ein bisher noch nicht verwendetes experimentelles Design. Dabei wird sowohl die Artikulation als auch die auditive Rückmeldung der Sprecher in einer Weise perturbiert, die eine eindeutige Interpretation der Adaptionsziele (nach akustischen oder artikulatorischen Kriterien) zulässt. Die Artikulation der Sprecher soll mit einer Gaumenprothese perturbiert werden, die die Sprecher veranlasst, ihre Artikulation zu verändern. Die akustische Perturbation ist dergestalt, dass sie zweierlei Arten der Adaption ermöglicht, entweder auf ein artikulatorisches Ziel hin (ohne Manipulation der auditiven Rückmeldung) oder auf ein akustisches Ziel hin (eine andere Vokaltraktkonfiguration, die durch Manipulation der auditiven Rückmeldung das gewünschte akustische Resultat liefert).

Projektleitung
Brunner, Jana Dr. phil. (Details) (Sprachwissenschaft des Deutschen: Phonetik / Phonologie)

Mittelgeber
DFG: Sachbeihilfe

Laufzeit
Projektstart: 04/2016
Projektende: 07/2019

Publikationen
Klein, E., Brunner, J. & Hoole, P. (2019). The influence of coarticulatory and phonemic relations on individual compensatory formant production. Journal of the Acoustical Society of America 146(2). 1265-78.

Klein, E., Brunner, J. & Hoole, P. (2017). Which factors can explain individual outcome differences when learning a new articulatory-to-acoustic mapping? Proceedings of the 11th International Seminar on Speech Production. Tianjin (China). 158-172.

Klein, E., Brunner, J. & Hoole, P. (2017). Real-time auditory perturbation of fricative spectra. Proceedings of Phonetik & Phonologie 13. Humboldt-Universität zu Berlin. 105-108.

Klein, E., Brunner, J. & Hoole, P. (2016). Relation between articulatory and acoustic information in phonemic representations. Phonetik & Phonologie 12. LMU München. 91. [https://epub.ub.unimuenchen.de/29405/1/Tagungsband_Phonetik_und_Phonologie_2016.pdf].

Klein, E., Brunner, J. & Hoole, P. (2017). How flexible are speakers’ internal representations of the articulatory-to-acoustic mapping? 7th International Conference on Speech Motor Control Groningen: Abstracts. Dutch Journal of Speech-Language Pathology: 56. [sstp.nl/article/download/29527/26849].

Zuletzt aktualisiert 2020-07-07 um 12:58